Todesfälle nach Tschernobyl- Reaktorunfall beziffert
Die Organisationen «Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs» (IPPNW) und Greenpeace kritisieren den Bericht. Die IPPNW warfen der WHO eine enge Verbindung zur UN-Atombehörde IAEA vor, die die friedliche Nutzung der Atomenergie weltweit fördert. Einige Aussagen der UN-Behörden seien «nachweislich falsch». So leugneten sie den «massiven Anstieg an Schilddrüsenkrebsfällen bei Erwachsenen und die Anstiege bei anderen Krebsarten».
Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer sprach in Hamburg von einer «Verharmlosung der Reaktorkatastrophe, die dem Fass den Boden ausschlägt». Das ukrainische Gesundheitsministerium habe bereits 2002 von etwa 15.000 Todesopfern allein unter den Menschen gesprochen, die an den Aufräumarbeiten beteiligt waren.
Allerdings gehen die Verfasser des Berichts davon aus, dass von den insgesamt mehr als 200.000 Menschen, die zwischen 1986 und 1987 in dem schwer verstrahlten Gebiet arbeiteten, «schätzungsweise 2200 an den Folgen der Verstrahlung sterben dürften». Von den etwa 4000 Menschen, überwiegend Kindern, die nach der Katastrophe an Schilddrüsenkrebs erkrankten, seien mindestens neun an den Folgen gestorben. Die Heilungsquote liege bei fast 99 Prozent.
In dem Bericht kommen die Experten zu dem Schluss, dass Armut und mit den Lebensumständen verbundene Krankheiten und psychische Erkrankungen in der früheren Sowjetunion eine weit größere Bedrohung für die örtliche Bevölkerung darstellen als die Strahlung. (nz)

