24.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Steinzeitlicher Fund in Sachsen-Anhalt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In Sachsen-Anhalt haben Archäologen ein steinzeitliches Gräberfeld gefunden. Dort wurde neben anderen ein achtjähriges Familienoberhaupt bestattet.
Von Thomas Schöne, dpaEine einzigartige steinzeitliche Grabanlage haben Archäologen auf einem 4400 Jahre alten Gräberfeld in Eulau bei Naumburg in Sachsen-Anhalt freigelegt. «Das ist weltweit eine völlig neue Bestattungsform in der steinzeitlichen Epoche der Schnurkeramik», sagte Archäologe Robert Ganslmeier am Dienstag.
Krankheit als TodesursacheDie Bestattungsform, ein System aus vielen bis zu 80 Zentimeter tiefen Gräben, wird von Fachleuten als Grabgarten bezeichnet. Außerdem sind auf dem Steinzeit-Friedhof in Eulau Vierfach-Familiengräber entdeckt worden. Erst vor wenigen Tagen kam das erste schnurkeramische Vierfach-Steinzeitgrab mit Mann, Frau und zwei Kindern zum Vorschein. Die Schnurkeramiker verzierten ihre gesamten Gefäße mit dem Abdruck einer Schnur.
In einem weiteren Familiengrab liegt eine zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 30- bis 35-jährige Frau mit drei Kindern. Die Leichname waren mit angezogenen Beinen auf die Seite gelegt worden. Die Knochen eines neugeborenen Mädchens liegen vor der Brust der Mutter, die eines zwei Jahre alten Mädchens und eines Jungen im Alter von sechs bis acht Jahren hinter ihrem Rücken.
«Der Junge wurde bereits als Mann angesehen», sagt Ganslmeier. Das bewiesen seine Grabbeigaben: eine Steinaxt, ein Knochenmeißel und zwei Feuersteinklingen. Offenbar war das Familienoberhaupt schon gestorben und der Junge hatte den Platz des Familienvaters eingenommen. Anzeichen von Gewalteinwirkungen fanden die Archäologen bei keinem der Skelette. Sie vermuten eine Krankheit als Todesursache.
Ergiebiges GrabungsgebietInsgesamt umfasst das steinzeitliche Gräberfeld in Eulau zwölf Gräber. «Dazu fanden wir 20 Abfallgruben mit schnurkeramischen Scherben sowie Knochen von Schafen, Ziegen und Schweinen sowie mehrere Pfostenlöcher von Häusern», sagte Ganslmeier. Für das Hirtenvolk der Schnurkeramiker, war dieser Platz an einer Flussbiegung der Saale nicht nur Begräbnisstätte, sondern auch eine Siedlung. Der Archäologe geht davon aus, das hier etwa zehn Menschen lebten und der Platz über mehrere Generationen genutzt wurde.
Ganslmeier gräbt seit 2002 in der Gegend um Eulau. Das Gräberfeld liegt nur zwei Kilometer vom steinzeitlichen Sonnenobservatorium in Goseck und etwa 23 Kilometer vom Fundort der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra entfernt. (dpa)