23.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Gerät zeichnet die Blickrichtung beim Betrachten eines Fotos auf.
Foto: PNAS
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben unterschiedliche Weltbilder. Das könnte sich auch in ihrer Art zeigen, Blicke schweifen zu lassen.
Chinesen und US-Amerikaner betrachten Fotos auf unterschiedliche Weise. Die unterschiedlichen Betrachtungsmuster könnten Grundlage der kulturell unterschiedlichen Denkweisen sein, sagen Forscher.
Richard Nisbett von der
University of Michigan hat mit Kollegen die Augenbewegungen von 45 Probanden aufgezeichnet, die auf einem Bildschirm Fotografien betrachteten. Die Bilder zeigten ein auffälliges Objekt vor einem passenden Hintergrund, etwa einen Tiger im Urwald.
Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten, verweilten die Blicke der in den USA aufgewachsenen Probanden länger bei dem Objekt in der Bildmitte. In China aufgewachsene Probanden verwendeten mehr Zeit auf die Betrachtung des Hintergrunds und ließen ihre Blicke schweifen.
Die unterschiedlichen Betrachtungsmuster entstanden aufgrund unterschiedlicher Philosophien in der fernöstlichen und westlichen Kultur, sagen die Forscher. «Harmonie ist ein zentraler Gedanke in der ostasiatischen Philosophie», sagte Nisbett dem Onlinedienst des Magazins «New Scientist». Daher werde stärker beachtet, welche Verbindung zwischen einem Objekt und dem Ganzen besteht. Im Westen werde dagegen eher das Erreichen von Zielen betont, daher wäre die Betrachtungsweise stärker auf einzelne Objekte fokussiert.
Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit die Wahrnehmung von anderen Kulturen beeinflusst. «Zu verstehen, dass echte Unterschiede zwischen den Sichtweisen bestehen, ist die Basis von Respekt», sagt Nisbett. (nz)