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Lupe Notfallplan könnte Grippe-Pandemie verhindern

In Asien grassiert seit Monaten die Tierkrankheit Vogelgrippe. Wissenschaftler simulieren die Verbreitung des Erregers unter Menschen.

Von Anja Garms, dpa

Mit Grippemedikamenten, Impfungen und der Isolierung Infizierter könnte ein Vogelgrippe-Ausbruch in der menschlichen Bevölkerung eingedämmt werden, sagen Wissenschaftler. Diese Maßnahmen könnten eine weltweiten Epidemie abwenden.

Zu dieser Einschätzung kommen zwei internationale Forscherteams, nachdem sie die Ausbreitung des Erregers und die Wirksamkeit verschiedener Gegenmaßnahmen am Computer simuliert haben. Selbst wenn sich die Vogelgrippe nicht ganz stoppen ließe, verschafften die Maßnahmen Zeit für die Herstellung eines geeigneten Impfstoffes, schreiben die Wissenschaftler in den aktuellen Ausgaben der Fachmagazine «Nature» und «Science».

Derzeit grassiert die Vogelgrippe unter Geflügel in Asien, kürzlich wurden auch in Russland und der benachbarten Republik Kasachstan infizierte Tiere entdeckt. Auf den Menschen wurde das Virus des Typs H5N1 bisher nur vereinzelt übertragen. Nach Angaben der WHO wurden in Indonesien, Vietnam, Thailand und Kambodscha 109 Menschen infiziert, 55 erlagen der Krankheit. Experten fürchten eine Veränderung des Erregers, die ihn von Mensch zu Mensch übertragbar machen könnte. Dann könnte es zu seiner weltweiten Ausbreitung kommen, einer so genannten Grippe-Pandemie mit möglicherweise Millionen Toten.

Ein Impfstoff gegen ein solches Grippevirus gibt es derzeit nicht, da dieser erst produziert werden kann, wenn das veränderte Virus auftaucht. Die Herstellung würde dann etwa sechs Monate in Anspruch nehmen.

Wissenschaftler um Elizabeth Halloran von der Emory University in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia sowie um Donald Burke von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland, simulierten mit einem Computermodell den Ausbruch der Vogelgrippe in einer ländlichen Region Thailands. Die bäuerliche Bevölkerung dort lebt auf engem Raum mit dem Geflügel zusammen. Experten nehmen daher an, dass das Virus in dieser Region die Fähigkeit erwerben könnte, sich direkt unter Menschen auszubreiten.

Den Simulationen lagen Angaben zur Altersverteilung und Haushaltsgröße in der Bevölkerung zugrunde. Die Forscher schätzten zudem ab, wie viele Kontakte zu anderen Menschen ein typischer Bürger an einem Tag hat – am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf öffentlichen Plätzen zum Beispiel. Ausgehend von einer infizierten Person analysierten sie dann, wie das Virus sich in der Bevölkerung ausbreitet und welche Gegenmaßnahmen die Ausbreitung am effektivsten eindämmen.

Am wirkungsvollsten erwies sich die Verabreichung antiviraler Medikamente, wie sie in Deutschland auch die Bundesländer auf Vorrat anschaffen. Auch eine Impfung, selbst mit einem unspezifischen, nicht genau auf den Virustyp zugeschnittenen Impfstoff, erhöhte die Chancen, die Ausbreitung zu stoppen. Tritt ein aggressiverer Virustyp auf, müssten zusätzlich zu den Medikamenten und der Impfung Quarantäne-Maßnahmen verhängt werden, schreiben die Forscher.

Prinzipiell hängt der Erfolg der Maßnahmen davon ab, wie schnell sie zum Einsatz kommen. So müsste ein Ausbruch nicht nur rechtzeitig erkannt werden, auch Medikamente und Impfstoffe müssten in ausreichendem Maße vorhanden sein und schnell an den Einsatzort geliefert werden.

Nach Angaben der Autoren hat die World Health Organization (WHO) derzeit einen Vorrat von 120000 Medikamenten-Dosen. Dies sei möglicherweise ausreichend, wenn das Virus innerhalb von zwei bis drei Wochen nach seiner Entdeckung bekämpft werde. Misslingt die Eindämmung oder entsteht ein neuer Virustyp an mehreren Orten gleichzeitig, könnten bis zu einer Millionen Medikamenten-Dosen notwendig werden.