Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Gehirn konstruiert Daumenkino

20. Jul 2005 11:13
Hirnaktivität während des 'Daumenkinos'
Bild vergrößern
Was ein Mensch sieht, wird in seinem Gehirn verarbeitet. Bei der Interpretation des Gesehenen bewährt sich das Organ als kreativer Brückenbauer.

Eine Kernspintomografie-Studie zeigt, dass das Gehirn Illusionen erzeugt. Werden einem Menschen zwei visuelle Reize abwechselnd in bestimmten zeitlichen und räumlichen Abständen gezeigt, nimmt er das als Scheinbewegung wahr.

Mehr in der Netzeitung:
Lars Muckli und sein Team vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main konnten nachweisen, dass die Scheinbewegung bereits im primären visuellen Kortex verarbeitet wird. Wie beim Durchblättern eines Daumenkinos wird hier aus einer Folge von statischen Bildern eine kontinuierliche Bewegung konstruiert. Diese Illusion entsteht wahrscheinlich unter dem Einfluss eines höheren Zentrums im Gehirn, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins PLoS Biology.

Wie die Max Planck-Gesellschaft am gestrigen Dienstag mitteilte, setzte Mucklis Arbeitsgruppe die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomografie (fMRT) ein. Dieses bildgebende Verfahren zeigt mit hoher räumlicher Auflösung, welche Hirnregionen aktiv werden. Die Forscher ließen Probanden zwei Quadrate betrachten, die abwechselnd in einigen Zentimetern Entfernung auf einem Bildschirm aufleuchteten.

Die fMRT-Bilder zeigten eine erhöhte Aktivität in zwei Regionen der primären visuellen Hirnrinde, die die Wahrnehmung der beiden Quadrate repräsentierten. Zusätzlich konnte zwischen den beiden visuellen Feldern Aktivität gemessen werden, obwohl kein visueller Reiz gezeigt wurde. Diese Region wurde aktiv, wenn die Versuchspersonen das Quadrat zwischen den beiden statischen Positionen wandern sahen. Dagegen gab es keine Aktivität, wenn beide Quadrate gleichzeitig aufflackerten.

Mehr im Internet:
Die beiden nacheinander aufblitzenden Lichtreize lösen im Gehirn ein Aktivitätsmuster aus, welches die Lücke zwischen den beiden Quadraten füllt und den Eindruck einer Bewegung erzeugt, sagen die Forscher. Doch scheint das nicht die primäre visuelle Hirnrinde zu sein. Dazu sei die mittlere aktivierte Region zu weit von den beiden äußeren entfernt. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Daten in einem Areal ergänzt werden, das höher in der Verarbeitungshierarchie des Gehirns angesiedelt ist.

Die Studie zeige, dass sich das menschliche Gehirn als ein kreativer Brückenbauer bewährt, heißt es in der Mitteilung. Es konstruiert aus wenigen Bruchstücken einen kontinuierlichen Zusammenhang. Die Wahrnehmung sei dadurch oft trügerisch. Doch profitiert der Mensch auch von dieser Synthese: Aus einzelnen Ansichten entsteht ein sinnvolles Ganzes. (nz)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Wetter-Probleme beim Anflug: 
«Endeavour» nimmt Umweg über Kalifornien
25 Jahre «Spacelab»: 
Weltraumjubiläum für Europa
 
UN-Klimakonferenz in Poznan: 
«Wir haben keine Zeit zu verlieren»
Alte Wetterdaten decken auf: 
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
 
Stammzellentherapie in Hannover: 
Arzneimittelfabrik im Kopf
 
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.