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Rund 500.000 Deutsche sind sexsüchtig

03. Jul 2005 12:14, ergänzt 13:14
Karikatur von Lothar Otto: Frau will Sex
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Sex kann zur Sucht werden. Darauf haben Experten jetzt hingewiesen. Rund 500.000 Menschen in Deutschland litten an übersteigertem Sexverlangen, hieß es.

Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland leiden nach Schätzungen von Experten an Sexsucht. Sie haben die «Kontrolle über ihr Verhalten verloren, brauchen eine immer höhere Dosis und zeigen Entzugserscheinungen», berichtet die Psychologin Sabine Grüsser von der Berliner Charité im Nachrichtenmagazin «Focus».

Die Auffälligkeiten, die bei den betroffenen Menschen zu beobachten seien, kenne man sonst nur in ähnlicher Form bei Abhängigkeit von so genannten psychotropen Substanzen wie Cannabis, Heroin und Kokain. Laut des auf Sexsucht spezialisierten Psychotherapeuten Kornelius Roth kann sich die Behandlung über Jahre hinziehen.

Bei der Therapie sei Abstinenz das Nahziel, sagte er dem Blatt. Der Patient müsse «herunterkommen von einer Frequenz von mehreren Höhepunkten pro Tag».

Missbrauchserfahrungen

Nach Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sind eigene Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und ein gestörter Umgang mit Intimität in der Familie die häufigsten Auslöser dieser psychischen Störung. Sexsucht sei für die Erkrankten ebenso qualvoll wie etwa Spiel- oder Kaufsucht. Sie zerstöre Existenzen, zerrütte Familien und führe zu Straftaten.

Über ihr Problem zu sprechen, falle den Patienten meist sehr schwer, da diese Form von Abhängigkeit mehr als andere tabuisiert und schambesetzt sei. Die Suchtkarriere beginnt nach Angaben der Psychiater wie andere Abhängigkeiten auch: Die Kranken wendeten immer mehr Zeit und Energie für ihre Befriedigung auf, ohne diese aber wirklich zu erreichen.

Telefonsex und Pornografie

Die Patienten verlören nach und nach die Kontrolle über ihr Verhalten. Immer mehr Geld gehe für Telefonsex, Pornografie, Bordell- und Clubbesuche verloren. Manche der Betroffenen würden wegen sexueller Belästigung oder der Internet-Suche nach Erotikangeboten von ihrem Arbeitgeber entlassen, andere als Exhibitionisten oder Vergewaltiger straffällig.

Oft sei die Sucht gekoppelt mit einem schwachen Selbstwertgefühl, Persönlichkeitsstörungen und geringer Intelligenz, erklärt die Fachgesellschaft. (nz)

 
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