netzeitung.deKälber halten Walmütter wach

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Ein Großes-Tümmler-Weibchen und sein Kalb (Foto: Jim Hollander, dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Großes-Tümmler-Weibchen und sein Kalb
Foto: Jim Hollander, dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Schlaf gilt als Voraussetzung für die gesunde Entwicklung von Säugetieren. Doch Wale und ihr Nachwuchs zeigen, dass es auch anders geht.

Nach der Geburt kommen Walmütter und ihre Jungen über Wochen nicht zur Ruhe. Etwa einen Monat lang schlafen sie so gut wie gar nicht, fanden US-Forscher in einer Untersuchung an Walen in Delphinarien heraus.

Das sei erstaunlich, da Schlaf für Wachstum und Entwicklung bislang als unerlässlich galt, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature». Die Forscher um Jerome Siegel von der University of California in Los Angeles hatten zwei Orcas (Orcinus orca) und ihre Kälber sowie vier Große Tümmler (Tursiops truncatus) samt Nachwuchs beobachtet.

Erwachsene Orcas ruhen normalerweise für fünf bis acht Stunden pro Tag, in denen sie an der Wasseroberfläche treiben. Da sie zum Atmen weiterhin regelmäßig auftauchen müssen, haben Wale eine besondere Schlaftechnik entwickelt. Die Tiere können ihre Hirnhälften getrennt voneinander ruhen lassen. Während die eine «schläft» koordiniert die andere das Luftholen.

Doch wie die Wissenschaftler um Siegel nun berichten, blieben die Kühe wie ihre Kälber im ersten Monat nach deren Geburt nahezu 24 Stunden pro Tag aktiv. Die Jungtiere waren sogar noch etwas ruheloser als die Mütter. Etwa alle drei bis 30 Sekunden tauchten sie zum Luftholen auf. Bei den Großen Tümmlern zeigte sich ein ganz ähnliches Verhalten. Im Verlauf weiterer Monate dehnten sich die Schlafperioden der Tiere aus und näherten sich der erwachsener Tiere ohne Nachwuchs an.

Wie die Wale es schaffen, zunächst ohne Schlaf auszukommen, ist den Forschern bislang unklar. Möglicherweise sei Schlaf weniger wichtig für die Entwicklung als bislang angenommen oder die Wale haben einen anderen Weg zur Erholung gefunden. Für den Nachwuchs ist die Ruhelosigkeit indes von Vorteil: Sie entgehen so leichter möglichen Feinden und halten zudem ihre Körpertemperatur aufrecht, bis ihre Speckschicht voll ausgebildet ist. (nz)