Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Diagnose «Tsunami-Lunge»

25. Jun 2005 18:19
Untersuchung eines Tsunami-Überlebenden in Banda Aceh
Bild vergrößern
Ärzte haben bei Überlebenden der Flutkatastrophe eine unbekannte Infektion festgestellt. Sie nannten die Krankheit «Tsunami-Lunge». Bei einigen Patienten führte sie zur Lähmung.

Von Margie Mason, Banda Aceh

Die Wucht der gewaltigen Welle warf sie nieder, und als sie nach Luft schnappten, drangen Unmengen Salzwasser, Matsch und Sand in ihre Lungen - so schildern Überlebende der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember ihren Kampf gegen das Ertrinken. Einige von ihnen sogen mit dem schmutzigen Wasser einen Erreger ein, der eine bislang unbekannte Infektion auslöste, wie das «New England Journal of Medicine» berichtet. «Tsunami-Lunge» haben US-Ärzte die Krankheit getauft, die zur Lähmung führen kann.

Mehr in der Netzeitung:
Im «New England Journal of Medicine» ist der Fall einer 17-Jährigen dokumentiert, die in der indonesischen Provinz Banda Aceh von der Flutwelle erfasst und einen Kilometer weit mitgerissen wurde. Zwei Wochen später wurde bei dem Mädchen eine Lungenentzündung diagnostiziert. Nach einer weiteren Woche zeigte seine rechte Körperhälfte erste Anzeichen von Lähmung, schließlich konnte das Mädchen nicht mehr sprechen und nur mit Mühe schlucken. Der rechte Arm und das rechte Bein waren nun vollständig gelähmt. Auf dem amerikanischen Lazarettschiff «USNS Mercy» wurde ihr Brustkorb leergepumpt, in dem sich eine gelbe Flüssigkeit fand. Nachdem die Ärzte mehrere Medikamente ausprobiert hatten, gewann die Patientin allmählich ihre Bewegungsfähigkeit zurück. Inzwischen kann sie wieder ohne Hilfsmittel laufen.

«Ohne die Behandlung, die sie an Bord der 'Mercy' erhalten hat, wäre sie höchstwahrscheinlich an den Komplikationen ihrer aus dem Tsunami resultierenden Lungenentzündung gestorben», sagte der Militärarzt Stephen Ferrara der Nachrichtenagentur AP. Bei dem Erreger handele es sich vermutlich um ein Bakterium, das in die Blutbahn eindringe und so dass Nervensystem angreife.

Zahl der Betroffenen unklar

Auf dem Lazarettschiff wurden drei weitere Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild behandelt. Ferrara befürchtet aber, dass noch weit mehr Menschen, die sich aus den Fluten retten konnten, anschließend erkrankt und an der Infektion gestorben sein könnten.

Ein Arzt aus Bangkok berichtet in einem Kommentar zu der Fallstudie der «Mercy»-Ärzte, er sei bei thailändischen Tsunami-Überlebenden auf ähnliche Symptome gestoßen. Die insgesamt 37 Patienten seien mit Hilfe von Antibiotika geheilt worden, schreibt Subsai Kongsaengdao. Die Veröffentlichung der Erkenntnisse sei auch deshalb wichtig, weil möglicherweise heute noch
Überlebende an entsprechenden Symptomen litten. Er wolle auch Ärzte in Europa oder den USA warnen, die aus dem Katastrophengebiet heimgekehrte Touristen behandelten. (AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Wetter-Probleme beim Anflug: 
«Endeavour» nimmt Umweg über Kalifornien
25 Jahre «Spacelab»: 
Weltraumjubiläum für Europa
 
UN-Klimakonferenz in Poznan: 
«Wir haben keine Zeit zu verlieren»
Alte Wetterdaten decken auf: 
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
 
Stammzellentherapie in Hannover: 
Arzneimittelfabrik im Kopf
 
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.