13. Jun 2005 12:48
Mitteleuropa galt bislang nicht als Wiege der Zivilisation. Doch errichteten Menschen hier bereits vor rund 7000 Jahren große Gebäude, die als Tempel gedient haben könnten.
Wie die britische Tageszeitung «The Independent» am Samstag berichtete, sind die Gebäude 4800 bis 4600 vor Christus errichtet worden und damit die ältesten dieser Art in Mitteleuropa. Die Erbauer, die so genannten «Stichbandkeramiker», waren zu dieser Zeit schon seit 700 Jahren hier ansässig, sagte der Grabungsleiter Harald Stäuble vom sächsischen Landesamt für Archäologie dem Sender «MDR Info». Ihre Bautätigkeit dauerte offenbar nur zwei Jahrhunderte an. Bis zur Bronzezeit 3000 Jahre später wurden in Mitteleuropa keine vergleichbaren Gebäude angelegt. «Auch nach unseren intensiven Untersuchungen bleibt es ein Rätsel, wieso diese Monumentalbauten plötzlich auftauchen und genauso plötzlich, wie sie kommen, auch aufhören», sagte Stäuble im Interview.
Die kreisrunden Gebäude hatten Durchmesser von bis zu 127 Metern und waren von Palisaden und Erdwällen umgeben. Die aufwändigste Anlage hat man in Dresden gefunden. Zwei Palisadenzäune, drei Erdwälle und vier Gräben wurden um einen zentralen Bereich herum angelegt. Wahrscheinlich dienten Zäune und Wälle nicht als Verteidigung, sondern als Sichtschutz, heißt es in dem Independent-Bericht. Welchem Zweck die Gebäude dienten ist unklar. Stäuble vermutet, dass sie als Kultstätten, Märkte und Festplätze genutzt wurden.
Die Erbauer lebten in bis zu fünfzig Meter langen Häusern in dörflichen Siedlungen, kultivierten Ackerland und züchteten Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Wahrscheinlich waren sie aus Gebieten im heutigen Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa eingewandert. (nz)