Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Giftstoffe belasten Nachkommen

03. Jun 2005 13:43
Hodengewebe der Nachkommen belasteter (rechts) und unbelasteter Ratten
Bild vergrößern
Erkrankungen können das Ergebnis von Umwelt-Belastungen sein, denen die Urgroßmutter des Betroffenen während ihrer Schwangerschaft ausgesetzt war.

Umweltgifte können die Aktivität der Gene in einer Weise beeinflussen, die sich auf mindestens vier Generationen auswirkt. Diese Entdeckung amerikanischer Forscher deutet darauf hin, dass Giftstoffe auch an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind, für die man bislang Veränderungen des Erbguts verantwortlich machte.

Mehr in der Netzeitung:
«Es ist eine neue Art, über Krankheiten nachzudenken», sagt Michael Skinner von der Washington State University in Pullman. Skinners Arbeitsgruppe nimmt an, dass diese Form der Vererbung von Krankheiten häufig auftritt. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» beschreiben die Mediziner ihre Versuche an Ratten.

Sie setzten schwangere Weibchen hohen Konzentrationen zweier Chemikalien aus, während sich bei den Ungeborenen die Geschlechtsorgane entwickelten. Bei den Substanzen handelte es sich um ein Pilzbekämpfungs- und ein Pflanzenschutzmittel, die heute häufig eingesetzt werden. Beide Chemikalien beeinflussen die Ausschüttung von Geschlechtshormonen.

Neun von zehn der geborenen Männchen produzierten wenige Spermien und waren weniger fruchtbar als die Nachkommen unbelasteter Mütter, fanden die Forscher. Dieser Effekt war für die erste Generation Nachkommen erwartet worden, erstreckte sich jedoch über vier Generationen.

Mehr im Internet:
Die Ursache liegt in Veränderungen des Erbgut-Moleküls DNA, jedoch nicht in der Abfolge seiner Bausteine, sagen die Forscher. Die Veränderungen liegen «auf» dem Molekül, nicht «darin», man spricht daher von «epigenetischen» Merkmalen. Sie betreffen molekulare Anhänge, etwa so genannte Methylgruppen, die mit den DNA-Strängen verknüpft werden. Die Anhänge beeinflussen die Aktivität der Gene. Sie bestimmen, inwieweit die im Gen gespeicherte Information biologisch umgesetzt wird.

Epigenetische Veränderungen könnten auch an der Entstehung von Brustkrebs oder Erkrankungen der Prostata beteiligt sein, vermutet Skinner. Die Häufigkeit, mit der diese Krankheiten auftreten, hat stärker zugenommen als die Rate von Mutationen, die die Abfolge der DNA-Bausteine betreffen.

Die Tiere im Versuch wurden jedoch höheren Konzentrationen der Chemikalien ausgesetzt, als sie in der Umwelt auftreten. Bevor die Ergebnisse dieser Versuche auf Menschen oder andere Tiere übertragen werden könnten, müssen weitere Versuche durchgeführt werden.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
25 Jahre «Spacelab»: 
Weltraumjubiläum für Europa
 
UN-Klimakonferenz in Poznan: 
«Wir haben keine Zeit zu verlieren»
Alte Wetterdaten decken auf: 
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
 
Studie über Cyberchondrie: 
Wenn das Internet richtig krank macht
 
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.