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Streit um Stammzellenforschung in Deutschland

20. Mai 2005 19:24
Spektakuläre Erfolge südkoreanischer Forscher haben in Deutschland die Debatte um die Stammzellenforschung wieder angestoßen. Die FDP fordert Gesetze, um eine effektivere Forschung zu ermöglichen.

Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP) hat die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Stammzellgesetzes vorzulegen, um eine effektive Forschung auch in Deutschland zu ermöglichen. Deutschland dürfe «nicht weiter ins forschungspolitische Abseits manövriert werden», so Mertin, der auch Vorsitzender der Bioethik-Kommission in Rheinland-Pfalz ist.

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Eine Freigabe des therapeutischen Klonens verlangte auch FDP-Chef Guido Westerwelle: «Wir müssen die Chancen der Stammzellenforschung zur Heilung Schwerkranker auch in Deutschland nutzen.»

Union spricht von «ethikfreier Zone»

Die CSU warnte dagegen vor Änderungen beim therapeutischen Klonen. Die bayerische Gesundheitsstaatssekretärin Emilia Müller sagte, Bundeskanzler Schröder dürfe kein «leichtfertiges Spiel mit Hoffnungen» betreiben. Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt sagte, er befürchte einen «bioethischen Dammbruch», wenn es Schröder gelingen sollte, das deutsche Embryonenschutzgesetz zu lockern.

Posselt, der auch Sprecher der Union in der Ethik-Kommission des Bundestages ist, sagte weiter, das Forschungsklonen dürfe nicht von wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Erfolgen abhängig gemacht werden. Es gehe um den Schutz des Embryos.

Die CDU-Abgeordnete Maria Böhmer kritisierte: «Der Eindruck verstärkt sich immer weiter, dass das Kanzleramt zur ethikfreien Zone wird.»

Grünen-Forschungsexperte Hans-Josef Fell erklärte, das Klonen von Menschen sei in Deutschland aus guten Gründen verboten. Es sei auch medizinisch fragwürdig. Die Kölner Medizinerin Christiane Woopen, Mitglied im Nationalen Ethikrat, sieht keinerlei Notwendigkeit, die geltenden Gesetze zu ändern. Der «Mitteldeutschen Zeitung» sagte sie, dass Gesetze überprüft werden müssten, sei eine Banalität.

Zeitungsbericht als Auslöser

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin war berichtet worden, Bundeskanzler Schröder wolle das so genannte therapeutische Klonen auch in Deutschland ermöglichen. Der Bericht war allerdings am heutigen Freitag von Regierungssprecher Bela Anda dementiert worden.

Bundestag hatte enge Grenzen gesetzt

Im Januar 2002 hatten 340 von 618 Bundestagsabgeordneten ohne Fraktionszwang dafür gestimmt, der Forschung an Stammzellen in Deutschland enge Grenzen zu setzen. Wissenschaftler schreiben dieser Forschung die Perspektive zu, schwer therapierbare Krankheiten wie Krebs oder Parkinson besser bekämpfen zu können.

Die Mehrheit der Parlamentarier war damals jedoch der Auffassung, dass dafür nicht Embryonen geopfert werden dürften. In Deutschland dürfen Wissenschaftler zwar keine Stammzellen aus menschlichen Embryonen gewinnen, für hochrangige Forschungsziele aber welche aus dem Ausland importieren. Diese müssen vor 2002 durch künstliche Befruchtung gewonnen worden sein. (nz)

 
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