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Forscher verteidigen «Chimären-Experiment»

04. Mai 2005 10:45
Die Erzeugung von Mensch-Tier-Mischwesen ist ethisch umstritten. Forscher verteidigen nun Experimente mit menschlichen Nervenzellen im Affenhirn.

Eine «Extraportion Mensch» sei Weißbüschelaffen eines Max-Planck-Instituts nicht gut bekommen. Nach der Einpflanzung menschlicher Zellen seien die Tiere an Gehirntumoren erkrankt, berichtete das Magazin «Der Spiegel». Doch die Versuche seien in einen «falschen und ethisch problematischen Kontext» gestellt worden, sagen die Forscher.

Mehr in der Netzeitung:
Spiros Simitis, der Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, bezeichnete das Vorgehen der Forscher im «Spiegel» als «absolut inakzeptabel». Er rief sie auf, zu den Versuchen Stellung zu nehmen, «damit der bioethische Diskurs nicht wieder überrannt wird». In einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft taten die beteiligten Forscher um Ahmed Mansouri vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie dies nun.

Mehr im Internet:
Die Arbeitsgruppe erforscht eine mögliche Therapie der Parkinsonschen Krankheit. Bei diesem Leiden sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dopamin ist unter anderem zur Koordination von Bewegungen notwendig, die Krankheit tritt daher als «Schüttellähmung» in Erscheinung. Bisherige medikamentöse Behandlungen seien unbefriedigend und bei langzeitiger Einnahme problematisch, sagen die Forscher. Sie versuchen, den Dopaminverlust auf andere Weise auszugleichen.

Aus menschlichen embryonalen Stammzellen wollen sie Ersatz-Nervenzellen gewinnen, die die Dopamin-Produktion im Gehirn übernehmen. In Versuchen verpflanzten sie im Kulturgefäß zu Nervenzellen ausgereifte embryonale Stammzellen der Maus in Gehirne von Ratten. Um zu testen, ob die so gewonnenen Erkenntnisse auf Primaten übertragbar sind, wiederholten die Wissenschaftler den Versuch. Anders als im «Spiegel» dargestellt, verwendeten sie nicht embryonale Stammzellen, sondern verpflanzten bereits zu Nervenzellen ausgereifte menschliche Zellen in die Gehirne zweier Weißbüschelaffen.

Original-Dokument:
Auf diese Weise erzeugten sie Mischwesen, Organismen mit Zellen unterschiedlicher Herkunft. Echte Chimären, bei denen Fremdzellen bereits in die Embryonalentwicklung eingeschleust wurden, waren die Ratten und Affen jedoch nicht, sagen die Forscher. Die Tiere erhielten lediglich eine Transplantation, heißt es in der Mitteilung.

Sämtliche Experimente wurden vom Robert-Koch-Institut genehmigt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Versuchstiere wurden im Deutschen Primaten-Zentrum (DPZ) Göttingen überwacht und zeigten nach der Transplantation keine Anzeichen von Schmerzen oder Schäden, heißt es in der Mitteilung.

Fünf Wochen nach der Transplantation wurden sie – wie ursprünglich geplant – eingeschläfert und starben nicht an Tumoren, wie der «Spiegel» berichtete. Die Untersuchung der Gehirne ergab jedoch einen Verdacht auf Tumorbildung bei beiden Tieren.

Die mögliche Tumorentwicklung ist ein Problem der Zellersatz-Therapien. Welche Zellen entarten, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Das Göttinger Team will nun erforschen, wie Tumor-bildende Zellen ausgeschaltet werden könnten. Die Experimente seien aber mit embryonalen Stammzellen von Mäusen – nicht von Menschen – geplant, die in Ratten – und nicht in Affen – transplantiert werden sollen.

 
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