netzeitung.de«Anti-Malaria-Organisation hat versagt»

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Die meisten Malaria-Patienten sind Kinder. (Foto: WHO<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die meisten Malaria-Patienten sind Kinder.
Foto: WHO
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Medizin-Magazin kritisiert die «Roll-Back-Malaria»-Vereinigung. Die Organisation habe mehr Schaden angerichtet als Gutes bewirkt.

Die internationale «Roll-Back-Malaria»-Vereinigung (RBM) hat ihr Ziel verfehlt, die Infektionskrankheit einzudämmen. Die Organisation könnte der Krankheit sogar Vorschub geleistet haben, sagen Redakteure der britischen Medizinzeitschrift «The Lancet».
«Bedrückendes Versagen»
Die RBM wurde vor sieben Jahren mit Mitgliedern wie der World Health Organization, Unicef und der Weltbank gegründet. Die Vereinigung wollte bis zum Jahr 2010 die Zahl der Malaria-Todesfälle in Afrika halbieren. Dort sterben jährlich rund eine Million Menschen an der von Stechmücken übertragenen Infektion, vor allem Kinder im Alter unter fünf Jahren.

Doch aufgrund «verpasster Gelegenheiten» und «bedrückenden Versagens» der RBM haben die Infektionsraten seither zugenommen, berichten Redakteure des «Lancet» in der aktuellen Ausgabe. Sie fordern sofortige Maßnahmen, um das Jahrtausend-Ziel der Vereinten Nationen erreichen zu können, die Ausbreitung der Krankheit bis zum Jahr 2015 zu stoppen und zu beginnen, die einzelligen Erreger zurückzudrängen.

Asiatische Medizin und Moskitonetze
Auf einen Impfstoff könne man dabei nicht zurückgreifen, besagt ein Bericht in der gleichen Ausgabe. Autoren um Brian Greenwood vom Londoner Tropeninstitut schlagen vor, verstärkt bereits vorhandene Medikamente einzusetzen, etwa aus der chinesischen Medizin. Der Einjährige Beifuß Artemisia annua liefert einen Wirkstoff, der selbst in Gebieten mit hoher Resistenz der Malaria-Erreger «hocheffektiv» sei.

Daneben sind mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze ein geeignetes Mittel, die Übertragung der Erreger durch die Anopheles-Mücke zu verhindern. Langfristig seien aber weitere Mittel notwendig, sagen die Autoren, einschließlich eines Impfstoffes.

Das vom Unternehmen Glaxosmithkline-Bio entwickelte Vakzin RTS,S/AS02A habe sich in klinischen Tests bereits bewährt. Es verleiht kurzfristigen Infektionsschutz und kann bei jedem dritten geimpften Kind den ersten mit der Infektion verbundenen Fieberschub verhindern. 58 Prozent der geimpften Kinder schütze er vor dem schweren Verlauf der Infektionskrankheit.

Zur Zeit würden weitere viel versprechende Impfstoffe klinisch getestet. «Dennoch, es wird wahrscheinlich noch mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis ein Impfstoff großflächig eingesetzt werden kann», sagt Greenwood.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier