13.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Untersuchung von Grippeviren im Labor
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Tausende Labors, darunter auch einige in Deutschland, hatten das Testkit schon erhalten, als die Order kam: sofort vernichten. Das verschickte Virus hatte 1957 eine Pandemie mit vier Millionen Toten ausgelöst.
Aus Sorge vor einer weltweiten Grippe-Epidemie hat die
World Health Organization (WHO) tausende Forschungslabors in 18 Ländern aufgefordert, ein Testkit mit Viren eines besonders gefährlichen Stammes zu vernichten. Die Proben darin enthielten ein Grippevirus, das im Jahr 1957 eine Pandemie mit vier Millionen Toten ausgelöst hatte.
Der Leiter des WHO-Influenza-Programms, Klaus Stöhr, sagte, es bestehe das Risiko, dass sich Mitarbeiter der Labors infizierten. Daher sollten die Proben unverzüglich zerstört werden. Betroffen sind auch Labors in Deutschland, etwa in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin haben die deutschen Forschungseinrichtungen die Proben bereits vernichtet.
Potenzielle BiowaffeDie so genannte Asiatische Grippewelle ebbte ab, bis das verantwortliche Influenza-Virus
A/H2N2 im Jahr 1968 nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Menschen, die später geboren wurden, sind wahrscheinlich besonders anfällig für die Infektion. Auch die gegenwärtigen Impfstoffe schützten nicht davor. «Wenn das Virus ausbricht, kann es leicht eine Influenza-Epidemie auslösen», sagte Stöhr dem Onlinedienst der BBC.
Ein Labor in Kanada hatte die Virus-Probe im Februar vom Kolleg Amerikanischer Pathologen erhalten. Es identifizierte den Erreger Ende März und informierte die kanadische Gesundheitsbehörde, die wiederum die WHO in Kenntnis setzte. Nachforschungen ergaben, dass allein das CAP entsprechende Proben an 3.747 Forschungseinrichtungen verschickt hatte, überwiegend in den USA.
Die Viren gingen darüber hinaus nach Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, nach Mittel- und Südamerika, Asien sowie in den Nahen Osten. Die WHO erhielt nach eigenen Angaben eine Liste aller betroffenen Labors und informierte die jeweiligen Gesundheitsministerien.
Da das Virus als Biowaffe eingesetzt werden könnte, hat die WHO die Öffentlichkeit erst nach der Rückrufaktion informiert. Stöhr nannte die Entscheidung, den Virenstamm so breit zu streuen, «unklug» und «bedauerlich». Infektionskrankheiten unter Mitarbeitern der betroffenen Labors würden zur Zeit untersucht, bislang ist laut WHO kein Grippefall bekannt. Bei Beachtung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen sei das Risiko, dass sich Laborangestellte anstecken, sehr gering. (nz)