22.03.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Berufsverkehr in Hamburg
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Forscher haben bemessen, wie stark Autoabgase das menschliche Erbgut schädigen. Sie fordern Verkehrs-Begrenzungen zum Schutz der Gesundheit.
Das Erbgut von Menschen, die Verkehrsabgasen ausgesetzt sind, wird durch die enthaltenen Chemikalien und ihre Abbauprodukte geschädigt. Die Abgase könnten demnach zu Krebserkrankungen beitragen.
Frei Radikale und StickoxideForscher um Ching-Huang Lai vom taiwanischen
National Defence Medical Center haben 47 Frauen untersucht, die in Kassenhäuschen gebührenpflichtiger Straßen arbeiteten. Die Straßen liegen zehn Kilometer südlich von Taipeh und gehören zu den verkehrsreichsten Taiwans. Zum Vergleich wurden 20 weitere Frauen untersucht, die einen Bürojob hatten.
Die Wissenschaftler maßen die Konzentration von 1-OHPG, einem Abbauprodukt von Substanzen in Autoabgasen, in Urinproben der Probandinnen. Zudem stellten sie fest, wie viel von einer 8-OhdG genannten Substanz darin enthalten war. Diese Verbindung zeigt an, wie viel Schaden freie Radikale im Organismus angerichtet haben. Das sind sehr leicht reagierende Sauerstoffteilchen, die molekulare Verbindungen wie die des Erbgutmoleküls DNA zerstören können. Zusätzlich maßen sie die Konzentration von Stickoxiden im Blut, die ebenfalls schädliche chemeische Reaktionen im Körper anzeigen.
In der aktuellen Ausgabe des Magazins
Occupational and Environmental Medicine berichtet das Forscherteam, dass der 8-OhdG-Spiegel von der gemessenen 1-OHPG-Konzentration abhängt. Je mehr Abgase die Frauen eingeatmet hatten, um so mehr 1-OHPG enthielt ihr Organismus und um so mehr 8-OhdG fanden die Forscher. Im Durchschnitt lag die 8-OhdG-Konzentration bei den Kassiererinnen 90 Prozent höher als bei den Büroarbeiterinnen. Die Konzentration von Stickoxiden lag im Durchschnitt um 30 Prozent höher.
Das Team um Ching-Huang Lai schließt daraus, dass Autoabgase die Aktivität von freien Radikalen im Körper verstärken. Die dadurch verursachten Schädigungen des Erbguts könnten zu Krankheiten wie Lungenkrebs beitragen. Die Forscher fordern daher, die Umweltbelastung mit Abgasen zu begrenzen um die Gesundheit der Menschen zu schützen. (nz)