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Tabakindustrie bestach Wissenschaftler

04. Mrz 2005 13:14, ergänzt 13:20
Passivrauchen ist gefährlich für Babys
Passivrauchen kann das Risiko von Babys für den plötzlichen Kindstod erhöhen. Die Tabakindustrie bezahlte einen Forscher dafür, das Gegenteil zu beweisen.

Die Tabakindustrie hat Forscher für die Veröffentlichung von Artikeln bezahlt, die den Zusammenhang zwischen dem Passivrauchen und dem plötzlichen Kindstod in Frage stellen. Dies ergab die Auswertung von ehemals geheim gehaltenen Dokumenten des Tabakkonzerns Philip Morris, die nun von der University of California in San Francisco und vom US-Zentrum für Krankheitsprävention gemacht wurde.

Unwissenheit gefährdet Kinder

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Im Kern geht es um einen Artikel, der 2001 in einem angesehenen Fachjournal erschienen ist. Darin heißt es, dass die schädlichen Auswirkungen des Rauchen auf die Gesundheit des Babys vor allem auf das Rauchen während der Schwangerschaft zurückzuführen seien. Dass Passivrauchen das Kind nach der Geburt gefährde, sei hingegen weniger sicher bewiesen.

Der Artikel war nachfolgend in mindestens 19 weiteren Arbeiten zitiert worden. «Indem das Wissen der Leute über den Zusammenhang zwischen dem Passivrauchen und dem plötzlichen Kindstod untergraben wird, werden Kinder überall gefährdet», sagte Stanton Glantz, der an der Auswertung der Philip Morris-Dokumente beteiligt war.

«Akzeptanz für das Rauchen erhöhen»

Der Artikel sei Teil einer gezielten Strategie des Konzerns, die wissenschaftlichen Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung von Kindern zu verschleiern. In einem der Dokumente heiße es zu den Zielen der Initiative: «Sollte den notwendigen wissenschaftlichen Hintergrund bereitstellen, um die Akzeptanz für das Rauchen in der Umgebung von Kindern zu erhöhen».

Konkret hatte Philip Morris einen Wissenschaftler beauftragt, einen Übersichtsartikel zu allen bekannten Risiken des plötzlichen Kindstods zu schreiben. Der Konzern stellte die zu verwendende Literatur zusammen, der Wissenschaftler schrieb den Artikel. 50.000 bis 100.000 US-Dollar investierte Philip Morris in das Projekt.

Risiken werden weiter verschleiert

Der Forscher war in seinem Artikel zunächst zu dem Schluss gelangt, dass das Passivrauchen das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhe. Nicht einverstanden mit dieser Schlussfolgerung machte Philip Morris Gegenvorschläge. Der Forscher übernahm diese zum größten Teil und kam so schließlich zu seiner relativierenden Aussage.

1998 hatten Philip Morris und andere große Tabakkonzerne ein Abkommen mit 46 US-Staaten unterzeichnet, indem sie versprachen, ihre Verschleierungstaktiken zu stoppen. Die Auswertung der Dokumente zeige nun, dass Philip Morris hinter den Kulissen weiterhin Anstrengungen unternommen habe, die Glaubwürdigkeit der Gesundheitswarnungen zu erschüttern. (nz)

 
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