03.03.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Das Wort «Musikgeschmack» bekommt bei einer 27-jährigen Musikerin eine ganz eigene Bedeutung: Hört die Flötistin einen bestimmten Akkord, nimmt sie gleichzeitig einen bestimmten Geschmack wahr.
Quinten schmecken nach purem Wasser, kleine Terzen salzig und große süß von dieser besonderen Form kombinierter Sinneswahrnehmung bei einer professionellen Musikerin berichten Schweizer Wissenschaftler im Fachblatt «Nature». Die verschiedenen Geschmäcker helfen der Musikerin dabei, Tonintervalle zu erkennen. Diese Art der Synästhesie sei sehr selten.
Sehr seltenes PhänomenSynästhesie ist ein Phänomen, das nur bei ungefähr einem von 2000 Menschen auftritt. Die Synästhetiker verknüpfen eine bestimmte Sinneswahrnehmung unwillkürlich mit einer anderen. Am häufigsten ist die Verbindung zwischen Tönen und Farben, das so genannte Farbhören. Töne, Geräusche und Musik werden dabei gleichzeitig farbig erlebt.
Auch die 27-jährige Flötistin Rechtshänderin und überdurchschnittlich begabt ordnet den Tonintervallen außer Geschmäckern Farben zu. Ihre Geschmackserlebnisse sind sehr fein: so schmeckt eine kleine Sexte nach Sahne, eine große nach fettarmer Sahne. Dissonante Töne verbindet sie eher mit unangenehmen Geschmacksrichtungen, wie salzig oder sauer.
Synästhesie hilft bei ProblemlösungDie Forscher um Lutz Jäncke von der
Universität Zürich testeten über ein Jahr lang die Fähigkeiten der Musikerin. In Experimenten stellten sie fest, dass die Flötistin Tonintervalle schneller erkennt, wenn sie zuvor den passenden Geschmack auf der Zunge gespürt hatte. Stimmte der Geschmack nicht mit dem Tonintervall überein, benötigte sie länger, um den Akkord zu erkennen.
Diese Tatsache zeige, dass die Synästhesie genutzt werden kann, um kognitive Probleme zu lösen. Die Wissenschaftler berichten auch von einem anderen Fall, in dem ein Musiker Töne mit ganzen Mahlzeiten verbindet.
Für das Web ediert von Anja Garms