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Lupe Gerichtsmediziner hadern mit «CSI»-Effekt

Die Fernsehserie «CSI – Crime Scene Investigation» ist bei den Zuschauern ausgesprochen beliebt. Gerichtsmediziner sind weniger begeistert.

Die Fernsehserie CSI hinterlässt nicht nur bei Zuschauern, sondern auch bei Kriminalbeamten und Juristen eine falsche Vorstellung von der Gerichtsmedizin und ihrem Potenzial. Der «CSI-Effekt» habe in den USA bereits dazu geführt, dass sich die Aufträge in den Labors der Gerichtsmedizin stapeln, berichten echte Experten auf dem Jahrestreffen der «American Association for the Advancement of Science». Die US-Serie ist in Deutschland beim Sender Vox zu sehen, erst kürzlich wurde das Finale der vierten Staffel ausgestrahlt.
Gerichtsmedizin ist nicht unfehlbar
In der populären TV-Serie, in der ein Team von Ermittlern mit Hilfe von technischen und wissenschaftlichen Know-how knifflige Kriminalfälle löst, entstehe der Eindruck, dass die Gerichtsmedizin unfehlbar sei. In der Realität sei dieser Eindruck oft nicht zu halten. So sei die Genauigkeit, mit der zum Beispiel der Zeitpunkt des Todes bestimmt werden kann, weit geringer als die meisten Menschen glauben, beklagte die forensische Pathologin Patrica McFeely.

Auch stünden toxikologische Gutachten nicht wie im Fernsehen quasi sofort zur Verfügung. Es könne mehrere Monate dauern, bis das Ergebnis einer Untersuchung vorliege. Dies sei Angehörigen von Opfern nur schwer zu vermitteln, sie seien zunehmend mit den Untersuchungen unzufrieden.

Auch Geschworene vom CSI-Effekt betroffen
Den Expertenberichten zufolge würden in den US-Labors derzeit allein 200.000 bis 300.000 DNS-Proben lagern, die noch nicht ausgewertet sind. Und dies seien gerade einmal zehn Prozent aller nicht bearbeiteten Proben. Auch Polizisten und Staatsanwälte sähen die Sendung, damit gingen die Aufträge in der Gerichtsmedizin steil nach oben, erläutert Max Houck von der West Virginia University.

Juristen in den USA fürchteten, dass auch die Geschworenen von dem «CSI Effekt» betroffen sind. Sie würden den forensischen Beweisen zu starke Bedeutung beimessen und in Gerichtsverhandlungen nachfragen, warum nicht alles getestet worden sei. In Wirklichkeit müsse aber nicht alles getestet werden, so Houck.

Allerdings habe die Serie auch durchaus positive Auswirkungen: Während vor fünf Jahren an der Universität noch ganze vier Studenten seinen Kurs abgeschlossen hätten, würde er mittlerweile von 400 Studenten besucht, so Houck. (nz)