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Gen-Kartoffeln als Impfstoff

15. Feb 2005 13:57, ergänzt 14:24
Potenzieller Impfstoff: Kartoffeln
Mit Kartoffen wollen US-Forscher Hepatitis B bekämpfen. Besonders in ärmeren Ländern soll der essbare Impfstoff eingesetzt werden.

US-Forscher haben Kartoffeln gentechnisch so verändert, dass der Verzehr einen Impfschutz vor der Leberkrankheit Hepatitis B verleiht. Erste Tests an Freiwilligen verliefen erfolgreich, auch wenn unklar blieb, ob die Schutzwirkung tatsächlich ausreicht. Der essbare Impfstoff könnte laut Wissenschaftlern Teil des globalen Impfprogramms werden. Damit wäre er eine wertvolle Alternative zu vorhandenem Impfstoff, der gespritzt werden muss, berichtet das Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences».

Eine Million Hepatitis-Opfer pro Jahr

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Hepatitis B ist eine durch ein Virus verursachte Entzündung der Leber. Obwohl eine sehr wirksame Impfung verfügbar ist, sterben laut Schätzungen jährlich eine Million Menschen in aller Welt an Hepatitis B. Insbesondere in ärmeren Ländern fällt die Bekämpfung der Krankheit schwer, da sie sich den Impfstoff nicht leisten könnten und es oft keine Möglichkeiten zur Kühlung des Mittels gibt.

Hugh Mason vom The Boyce Thompson Institute for Plant Research und seine Mitarbeiter brachten nun in das Erbgut von Kartoffelpflanzen ein Gen ein, das ein Protein des Virus bildet. Dies Protein soll das Immunsystem dazu anregen, Antikörper gegen das Virus zu bilden. Dann verzehrten 42 Freiwillige die rohen Kartoffeln.

Abhängig von der Dosis zeigte der essbare Impfstoff bei bis zu 60 Prozent der Freiwilligen eine Wirkung. Da die Teilnehmer bereits zuvor gegen Hepatitis B geimpft waren, rief der Kartoffel-Impfstoff allerdings keine völlig neue Immunität hervor, sondern führte zu einer Erhöhung der Antikörpermenge.

Intensive Forschung an Impfpflanzen

Die Forscher sind zuversichtlich, dass der «Kartoffel-Prototyp» verbessert und zu einem wirkungsvollen essbarem Impfstoff weiterentwickelt werden kann. Da die Kartoffel nur ein einziges Protein des Virus enthalte, sei sie möglicherweise schonender als bislang verfügbare Impfstoffe.

Es müsse jetzt getestet werden, ob die Kartoffel auch bei nicht geimpften Personen wirke, sagte Graham Foster von der Queen Mary University in London der BBC. Auch müsse geklärt werden, ob die Immunreaktion ausreicht, um einen wirkungsvollen Impfschutz zu verleihen.

Der Versuch, essbare Impfstoffe herzustellen, ist nicht neu. Mason gehört zu den ersten Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet arbeiteten. Er erlangte mit der Idee der «Impfbanane» einige Berühmtheit. Die hat sich jedoch nicht bewährt, es gab Probleme mit der Impfstoff-Konzentration und der Aufnahme des Wirkstoffs über den Magen. Außer der Kartoffel werden auch Tomaten, Karotten oder Erbsen auf ihre Eignung als Impfpflanze getestet. (nz)

 
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