netzeitung.deSmog könnte Allergien fördern

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Möglicherweise haben deutsche Forscher eine Erklärung für die Zunahme von Allergien im städtischen Raum gefunden: Abgase könnten die Wirkung von Allergenen verstärken.

Autoabgase könnten die Wirkung von Allergie auslösenden Proteinen verstärken. Mit den Abgasen gelangen Stickstoffdioxid und Ozon in die Luft, die dazu führen, dass Nitrogruppen an die Proteine angehängt werden, berichteten der Online-Dienst des britischen Fachblatts «Nature». Dies sei möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Asthma und andere Allergien insbesondere in den Städten zunehmen.

Asthma unter Kindern immer häufiger
Laut Experten ist besondere die wachsende Zahl von Kindern mit Asthma besorgniserregend: Während 1995 noch zehn Prozent aller Kinder an Asthma litten, waren es im Jahr 2000 bereits 13 Prozent. Deutlich zugenommen habe auch der Anteil von Erwachsenen mit Heuschnupfen, zwischen 1990 und 1998 ist er um 70 Prozent gestiegen.

Bislang ist der Grund für die Zunahme allergischer Erkrankungen weitestgehend unbekannt. Unter Experten werden verschiedene Erklärungsmöglichkeiten diskutiert. So könnte eine übertrieben Hygiene dazu beitragen, dass das Immunsystem nicht richtig trainiert wird und nicht lernt, zwischen körperfremden, schädlichen und körpereigenen, unschädlichen Stoffen zu unterscheiden. Auch eine zunehmende Schadstoffbelastung der Luft, etwa mit Ozon, könnte das Immunsystem zu Überreaktionen veranlassen.

Spurensuche in der Münchner Luft
In Luftproben aus dem Münchner Raum fanden die Wissenschaftler um Ulrich Pöschl von der Technischen Universität nun, dass im Schnitt 0,1 Prozent der Proteine «nitriert» waren: Sie trugen an einem ihrer Grundbausteine, der Aminosäure Tyrosin, eine Nitrogruppe. Allergie auslösende Proteine von Birkenpollen, die die Forscher einige Tage an einer viel befahrenen Straße stehen ließen, waren hingegen hundert Mal häufiger nitriert, fanden die Wissenschaftler.

Birkenpollen-Proteine haben sieben Aminosäure-Bausteine, die sofort durch die Abgase nitriert werden. Möglicherweise rufen Proteine, die schnell nitriert werden, die stärksten allergischen Reaktionen hervor, sagte Pöschl. Wie genau dies geschieht, ist bislang unklar. Frühere Untersuchungen hätten allerdings gezeigt, dass Antikörper mit Hilfe von Nitrotyrosin an einen Entzündungsort gelockt werden.

Dort können sie sowohl Krankheitserreger bekämpfen, als auch eine überschießende allergischen Reaktion hervorrufen. Durch die Nitrierung könnte also die Wirkung allergener Proteine verschärft werden. Möglicherweise würden darüber hinaus auch harmlose Proteine in Allergene verwandelt, sagte Pöschl.


Für das Web ediert von Anja Garms