06.01.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Illustration: Huygens beim Eintritt in die äußere Atmosphäre des Saturnmondes Titan Bild: Esa/D. Ducros
Bild: Esa/D. Ducros
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gemeinsam mit deutschen Kollegen werden US-Weltraumforscher in Darmstadt Daten analysieren, die die «Huygens»-Sonde vom Titan übermittelt.
Mitte Januar soll die «Huygens»-Sonde auf den Saturnmond Titan hinabschweben. Mit einer Reihe von hochempfindlichen Messgeräten wollen Wissenschaftler dann die Atmosphäre und bei sanfter Landung auch die Oberfläche des Titans untersuchen. Es ist der erste Versuch, den Titan vor Ort zu erforschen.
Die Forscher wollen mit ihrer Mission unter anderem klären, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Denn Titan und Erde haben in ihrer Entstehungsgeschichte einiges gemeinsam: Der Titan ist zwar kälter als die Erde, seine Atmosphäre ähnelt jedoch stark der Erd-Atmosphäre, bevor sich Leben auf ihr entwickelte. Vor allem die Kohlenstoffe des Titans könnten wesentliche Hinweise darauf geben, wie die Erde bewohnbar wurde.
Extreme Temperaturen beim AnflugKnapp ein Dutzend Wissenschaftler der
University of Arizona unterstützt Mitte Januar die deutschen Forscher der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt bei ihrer Arbeit. Wenn alles nach Plan läuft, taucht «Huygens» am 14. Januar um 10.06 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in die Titan-Atmosphäre ein und beginnt Daten zu sammeln.
Während des Anflugs muss die Sonde «Huygens» binnen drei Minuten ihre Geschwindigkeit von 21.000 auf 1800 Kilometer pro Stunde drosseln. Durch das Bremsmanöver wird die Oberfläche der Sonde einer Hitze von knapp 2000 Grad Celsius ausgesetzt und das, obwohl in der Titan-Atmosphäre deutliche Minus-Grade herrschen.
Panoramabilder von Oberfläche und HorizontSofern «Huygens» dies unbeschadet übersteht, öffnen sich anschließend mehrere Fallschirme. Mit ihnen wird die Sonde auf einer exakt berechneten Bahn auf die Mondoberfläche hinabschweben und dabei seine Mess- und Fotogeräte aktivieren.
Während des Sinkfluges werden mehrere Kameras insgesamt 750 Bilder vom Titan aufnehmen. Die Wissenschaftler wollen die Fotos anschließend zu insgesamt 20 Panoramabildern zusammensetzen.
«Huygens» sendet Daten an MutterschiffWährendessen sollen verschiedene Messgeräte die Zusammensetzung der Atmosphäre, Windbewegungen und das Wolkenprofil analysieren. Aus diesen Daten hoffen die Forscher sich ein exaktes Bild vom Titan machen zu können.
Der wichtigste Moment der Moment wird erreicht, kurz bevor die Sonde auf Titan landet: In knapp 20 Kilometern Höhe wird «Huygens» alle bis dahin gesammelten Daten an den Orbiter «Cassini» senden. «Cassini» soll seine Antenne anschließend zur Erde richten und die von «Huygens» empfangenen Informationen überspielen. Für ihren Transport brauchen die Daten etwas mehr als eine Stunde.
Erforschung einer neuen WeltInsgesamt sieben Jahre ist die Doppelsonde «Cassini-Huygens» zum Saturn gereist. Wenn Mitte Januar die Daten vom Titan kommen, geht eine lange Reiseetappe zu Ende: «All unsere Hoffnungen richten sich jetzt auf die ersten Daten aus einer neuen Welt, von deren Erforschung wir seit Jahrzehnten träumen», sagt David Southwood, der Wissenschaftsdirektor der Esa.
Spätestens am 15. Januar wird auch die Öffentlichkeit erste Nachrichten vom Titan bekommen: Dann wollen die Forscher die ersten Ergebnisse und Fotos vorstellen. (nz)