31. Dez 2004 10:46
Am 26. Dezember bebte der Grund des Indischen Ozeans vor der Küste Sumatras. US-Geologen haben nun eine Reihe häufig gestellter Fragen zum Beben beantwortet.
Am 2. Weihnachtsfeiertag erreichte eine Seebeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra die Stärke 9 auf der Richter-Skala. Die dadurch ausgelöste Tsunami überschwemmte Küstenregionen zahlreicher Anrainerstaaten des Indischen Ozeans. Nach aktuellen Schätzungen kamen bei der Katastrophe 130.000 Menschen ums Leben.Sind Nachbeben zu erwarten?
Es gab bereits eine Reihe von Nachbeben. Das Earthquake Information Center des USGS zeichnet weiterhin Erdstöße auf, bis zum 29. Dezember 13:00 Uhr US Mountain Standardzeit (20:00 Uhr MEZ) waren es 68. Das stärkste Nachbeben etwa drei Stunden nach dem Hauptbeben erreichte die Stärke 7,1 auf der Richter-Skala, 13 weitere erreichten 6 oder mehr. Es gebe aber keine Berichte von weiteren Tsunamis, die durch die Nachbeben ausgelöst wurden. Die Stärke und Häufigkeit weiterer Nachbeben können nicht vorhergesagt werden, meist nehmen sie jedoch mit der Zeit nach dem Hauptbeben ab. Es könnte jedoch zu weiteren kurzen Phasen größerer Aktivität kommen.Hat das Sumatra-Beben die Wahrscheinlichkeit eines weiteren großen Erdbebens erhöht?
Das Sumatra-Beben hat die tektonischen Spannungen zwischen der Indischen und der Burmesischen Teilplatte neu verteilt. In einigen Gebieten entlang und in der Nähe der Plattengrenze haben sie abgenommen, in anderen zugenommen. Um abschätzen zu können, wo das nächste Erdbeben auftreten könnte, muss zunächst die Verschiebung der beiden Platten gegeneinander vermessen werden. Bislang kann keine Vorhersage getroffen werden, wann und in welcher Stärke Erdbeben auftreten werden.Das Sumatra-Beben ereignete sich innerhalb von drei Tagen nach einem Beben der Stärke 8,1 auf den antarktischen Macquarie-Inseln südlich von Australien. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Erdbeben?
Es gibt bislang keine Hinweise für einen direkten Zusammenhang. Die langfristigen Spannungsveränderungen durch ein Erdbeben nehmen mit der Entfernung von seinem Zentrum stark ab. Das Macquarie-Beben ereignete sich zudem an der Grenze anderer Platten als das Sumatra-Beben. Das Auftreten beider Beben innerhalb von drei Tagen ist auffällig, aber wahrscheinlich Zufall.
Wie groß ist der Bereich, in dem sich das Beben ereignete?
Die Nachbeben lassen vermuten, dass sich die Verwerfungen über etwa 1200 bis 1300 Kilometer entlang des Sundagrabens in einer Breite von etwa 200 Kilometern erstrecken. Der Sundagraben ist ein Tiefseegraben mit der tiefsten Stelle des Indischen Ozeans. Das Zentrum des Bebens lag wahrscheinlich in den südlichen 400 Kilometern der Verwerfungszone.
Wie groß ist die Verschiebung zwischen den Platten an der Bruchoberfläche?
Anhand der ersten Untersuchungen der Schockwellen wird die maximale Verschiebung auf 20 Meter geschätzt.
Wie groß ist die Verschiebung des Meeresgrundes über der Erdbebenquelle?
Die Verschiebung des Meeresgrundes ist geringer als die Verschiebung der Platten gegeneinander. Stellenweise hat sich der Block der Erdkruste oberhalb des auslösenden Bruches um zehn Meter nach West-Südwest verschoben und wurde mehrere Meter angehoben.
Wie hat das Erdbeben die Erdrotation beeinflusst?
Ein Forscher vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa hat errechnet, dass die Erdrotation beschleunigt wurde und die Tageslänge am 26.Dezember um etwa 2,7 Mikrosekunden (Millionstel Sekunden) abnahm. Dieser Wert liegt unterhalb der Genauigkeit von plusminus 20 Mikrosekunden, mit der die Tageslänge gemessen werden kann.Quelle: US Geological Survey