29. Dez 2004 11:38
Seebeben, die Tsunamis auslösen, können weltweit erfasst werden. Doch bleibt dabei unklar, wie groß die Gefahr durch die Wellen für die Küstenbevölkerung ist.
Das Fehlen eines Frühwarnsystems wird als Ursache der katastrophalen Auswirkungen der Tsunamis im Indischen Ozean angesehen. Doch auch mithilfe des besser ausgebauten Sensoren-Netzes im Pazifik kann das Zerstörungspotenzial der Riesenwellen bislang nicht genau abgeschätzt werden.«Im Gegensatz zum Pazifikraum, wo die Anrainer in Honolulu ein Meldezentrum für Seebeben und Flutwellen betreiben, gab es rund um den Indischen Ozean zum Zeitpunkt des Seebebens kein funktionierendes Kommunikations- und Frühwarnsystem», sagt Richard Dikau vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Daher konnte die Küstenbevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt werden.
Ein geeignetes Frühwarnsystem für den Indischen Ozean würde weit unter einhundert Millionen US-Dollar kosten, schätzt die Seismologin. Es würde aus Bojen bestehen, die den Wasserstand messen und Tsunamis per Funksignal anzeigen. Für genauere Messungen seien Sensoren auf dem Meeresgrund geeignet, die Satelliten anfunken, wenn sie von einer Tsunami überrollt werden. Weltweit gibt es bislang nur sieben dieser «Tsunameter», die pro Stück rund 250.000 US-Dollar (ca. 183.000 Euro) kosten und jährlich für rund 50.000 Dollar (ca. 37.000 Euro) gewartet werden müssten.Zudem sei es notwendig, weitere Vorkehrungen zu treffen, sagt der Bonner Geograph Dikau. Die schlimmsten Folgen in Südostasien hätten abgemildert werden können, wenn beizeiten so genannte Gefahrenzonen-Pläne erstellt worden wären. Darin wird erfasst, welche Gebiete bei einer Flutwelle überflutet werden, und festgelegt, welche Flucht- und Rettungswege genutzt werden können.