14. Dez 2004 10:20
Die Bestände von Vogelarten gehen weltweit zurück. Das Verschwinden der Tiere könnte ganze Ökosysteme zerstören und Menschen gefährden.
«Unsere Hochrechnungen deuten darauf, dass im Jahr 2100 bis zu 14 Prozent aller Vogelarten ausgestorben sein werden», sagt Cagan Sekercioglu von der kalifornischen Stanford University. Ein Viertel der Arten könnte bis dahin kurz vor dem Aussterben stehen oder nur noch in zoologischen Einrichtungen überleben, sagt der leitende Autor der Studie, die jetzt in der Online-Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlicht wurde.Zwar seien in den vergangenen 500 Jahren mit 129 von 9787 bekannten Vogelarten nur etwa 1,3 Prozent ausgestorben, die Zahl der Vögel insgesamt habe jedoch um 20 bis 25 Prozent abgenommen, schreiben die Autoren. Sie nennen den fortschreitenden Klimawandel, die Zerstörung von Lebensräumen und das Einschleppen von fremden Arten durch den Menschen als Ursachen des zu erwartenden Artensterbens.
Über die Folgen des Vogelsterbens ist bislang wenig bekannt. Als in den 1990er Jahren die Zahl der Geier in Indien dramatisch zurückging, nahm die Zahl verwilderter Hunde und Ratten, die mit Tollwut infiziert waren stark zu. Im Jahr 1997 starben in Indien 30.000 Menschen an der Infektion – mehr als die Hälfte der Opfer weltweit. Ohne die Geier, die darauf spezialisiert sind, auch große Kadaver schnell zu beseitigen und die andere Aasfresser zur Nahrung führen, verwesten sie nur langsam, was die Ausbreitung der Krankheit begünstigte, sagen die Autoren.Eine weitere Funktion, die oft Vögel in ihren Lebensräumen übernehmen, ist die Insektenbekämpfung. Ohne den Beutegreifer Vogel können sich Schädlinge ausbreiten und die landwirtschaftlichen Erträge gefährden. Vögel bestäuben auch Pflanzen und verbreiten die Samen. Ihr Verschwinden könnte sich negativ auf den Fortbestand ganzer Lebensräume auswirken, sagen die Autoren.
«Beunruhigend ist, dass dieser Rückgang der Vögel noch ein günstiges Szenario darstellt», werden sie in einer Mitteilung der Stanford University zitiert. Arten aus den Gruppen der Fische, Amphibien, Reptilien und Säugetiere seien noch deutlich stärker gefährdet. Auch wirbellose Tiere wie Insekten, die für ihre Lebensräume wahrscheinlich noch von größerer Bedeutung sind, seien gefährdet. «Investitionen in das Verständnis und die Verhinderung der Rückgänge werden sich nur lohnen, so lange noch Zeit ist zu handeln», schließen sie ihren Bericht.