Australischer Philosoph stellt Lebensrecht Behinderter in Frage
Der Australier Peter Singer, derzeit Professor für Bioethik an der Universität in Princton, kommt zu einer Tagung nach Deutschland. Am Deutsch-Amerikanischen Institut in Heidelberg wird er am Samstag einen Vortag über die Menschenwürde halten. Seine zentrale Frage lautet: Was ist besonders am Menschen?
Normalerweise wäre der Besuch eines australischen Philosophen in Deutschland nichts Spektakuläres. Doch Singer ist ein Sonderfall. Wenn er über die Menschenwürde und das Recht auf Leben nachdenkt, dann stellt er auch die Frage, ob es nicht legitim sei, schwer behinderte Neugeborene zu töten.
Aktuell sind seine Thesen für die Gentechnik relevat, denn mit ihnen lässt sich der Eingriff in das frühste Stadium menschlichen Lebens rechtfertigen. Ein ethisches Problem, über das Politik und Wissenschaft in Deutschland heftig streiten.
1989 wurde ein geplanter Auftritt Singers in Deutschland verhindert. Besonders Behindertenverbände wehrten sich damals gegen die von Singer angestoßene Euthanasie-Debatte. Viele behinderte Menschen fühlten sich von Singer beleidigt und vor allem: Sie sahen ihr Lebensrecht durch seine Thesen infrage gestellt. Mit so einem Menschen dürfe niemand debattieren, forderten sie.
Jakob Köllhofer, Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts und Organisator der Veranstaltung, hält ein Redeverbot für falsch. Der Netzeitung sagte er: «Weil Peter Singers Thesen zur Menschenwürde so heikel sind und weil sie soviel Anlass zur Diskussion bieten, ist es besser mit ihm zu sprechen, als bloß über ihn. Das Totschweigen seiner Ansichten hilft niemandem weiter.»
Relevant sein könnten sie auch für die Debatte über die Präimplantationsdiagnostik. Sie untersucht einen im Reagenzglas gezeugten Embryonen auf möglicherweise vorliegende Behinderungen. Sollten sich diese bestätigen, ließe sich der kranke Embryo zu Gunsten eines gesunden aussortieren. In Deutschland ist dieses Verfahren auf Grund der Richtlinien des Embryonenschutzgesetzes derzeit indirekt verboten. Forscher und Politik aber streiten über seine Legitimität.
Wenn Singer am Samstag in Heidelberg spricht, wird er auf eine Vielzahl von ihm entgegengesetzten Standpunkten treffen. Mit dabei ist dann auch Günter Dörr, ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderter und selbst Vater eines behinderten Sohnes: «Für mich besitzen alle Menschen und auch Embryonen Menschenwürde auch die mit schweren und schwersten Behinderungen - das ist doch gar keine Frage. Peter Singer sieht das anders aber ich werde ihm meine Vorstellung mit der gleichen Energie präsentieren, mit der er seine Vorstellung vertritt», sagte Dörr der Netzeitung.

