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Kleiner Bruder des Menschen entdeckt

28. Okt 2004 11:22
Der in Liang Bua auf Flores gefundene Schädel
Fossile Knochen belegen, dass die Vielfalt der Gattung Mensch größer und einer ihrer Vertreter kleiner war als bislang angenommen.

Fossile Überreste einer bislang unbekannten Art Mensch haben Forscher auf der indonesischen Insel Flores gefunden. Auffälligstes Merkmal der nach ihrem Fundort Homo floresiensis benannten Menschen ist ihre Gestalt: Voll ausgewachsene Vertreter dieser Art erreichten gerade einen Meter Körpergröße.

Begegnung fraglich

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Wie die Forscher um Peter Brown von der University New England in Armidale, Australien, in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten, lebten die Inselmenschen wahrscheinlich bis vor rund 12.000 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt sei ein Vulkan auf Flores ausgebrochen und habe die Bevölkerung und den größten Teil der Tierwelt der Insel ausgelöscht.

Moderne Menschen der Art Homo sapiens besiedelten die Region bereits vor rund 50.000 Jahren. Doch die frühesten Hinweise auf ihre Anwesenheit auf der Insel Flores stammen aus der Zeit nach dem Vulkanausbruch. Ob sich Vertreter der beiden Menschenarten begegnet sind, ist daher fraglich.

Inselzwerge

Die Forscher nehmen an, dass der Flores-Mensch wie der moderne vom Homo erectus abstammt. Dieser afrikanische Auswanderer könnte bereits vor fast zwei Millionen Jahren Indonesien erreicht haben. Eine auf der Insel «gestrandete» Population hat sich zu der Zwergform entwickelt, spekulieren die Forscher um Brown. Deren Schädel haben in etwa die Größe einer Pampelmuse und sind damit deutlich kleiner als die von Homo erectus.

Veränderungen der Körpergröße durch das Inselleben sind bekannt. So werden einige Tierarten – wahrscheinlich aufgrund knapperen Nahrungsangebots – kleiner und damit genügsamer. Raubtiere, die auf Inseln unangefochten an der Spitze der Nahrungskette stehen, können dagegen größer werden. Beispiele sind die Braunbären der Kodiak-Insel oder Komodowarane.

Möglicher Baumbewohner

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Diese kamen zur Zeit des Homo floresiensis ebenfalls auf der Insel Flores vor – neben einer weiteren, noch größeren, heute jedoch ausgestorbenen Echsenart. Außerdem gab es auf Flores eine etwa Pony-große Zwergform des ursprünglichen Elefanten Stegodon. Diese Tiere könnten eine wichtige Jagdbeute der Flores-Menschen gewesen sein, vermutet Brown.

Die Lebensweise des Homo floresiensis ist bislang weitgehend unbekannt und Gegenstand künftiger Forschungen. Ihre verhältnismäßig langen Arme und großen Hände könnten eine Anpassung an das Leben auf Bäumen gewesen sein, vermutet Brown. Bei dem Fundort des zuerst entdeckten Skeletts handelt es sich jedoch um eine Kalksteinhöhle.

Überleben als Mythos

Ungewiss ist zudem, ob Flores-Menschen den Vulkanausbruch auf der Insel überlebten. Die heutigen Bewohner der Insel erzählen detailreiche Legenden von kleinen Menschen, die sie als «Ebu Gogo» bezeichnen, berichtet der Online-Dienst der BBC. Diese seien etwa einen Meter groß, behaart und kommunizierten murmelnd. Worte des Menschen könnten sie wiederholen. Nach den Erzählungen lebten die Ebu Gogo noch als die Holländer die indonesische Insel im 16. Jahrhundert erreichten.

«Ich glaube es gibt ein Gefühl, dass es sich bei diesen Mythen um eine mündliche Überlieferung vom Überleben dieser kleinen Leute bis in jüngere Zeit handelt», sagt Brown.

Vergleich: Schädel von <i>Homo floresiensis</i> (links) und <i>Homo sapiens</i>

 
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