11. Okt 2004 11:41
Therapien gegen Krebserkrankungen zielen meist darauf ab, die Tumorzellen zu entfernen oder zu zerstören. Doch es gibt einen weiteren Weg.
Bereits vor zwei Jahren gelang die Deaktivierung des Gens für das Protein «Myc» in Knochentumorzellen von Mäusen. Das Wachstum der Krebsgeschwüre wurde dadurch gebremst und die Zellen nahmen wieder eine gesunde Form an. Nun gelang der gleiche Ansatz bei Leberkrebszellen, berichten die Forscher um Dean Felsher von der Stanford University bei San Francisco.In einer Online-Vorabveröffentlichung des Magazins «Nature» vom heutigen Montag beschreiben die Wissenschaftler ein Verfahren, das eine alternative Therapie für die Tumoren sein könnte. Operativ entfernt werden können die so genannten hepatozellulären Karzinome nur in fünf bis dreißig Prozent der Fälle.
Myc ist eines der Proteine, die die Zellteilung steuern. Bei den Versuchstieren war das Myc-Gen ständig aktiviert, was zur Bildung von Leberzellkarzinomen führt. «Aufregend ist, dass man die Tumorzellen in etwas verwandeln kann, was normal erscheint», sagt Felsher. Die Tumorzellen der behandelten Tiere entwickelten sich zu normalen Zellen der Leber.Doch die Wandlung war vorübergehend. Setzten die Forscher das Doxyzyklin ab, sammelte sich im Lebergewebe Myc-Protein an und innerhalb von durchschnittlich zwölf Wochen entwickelten sämtliche Versuchstiere wieder aggressiven Leberkrebs. Einige der Zellen hatten also auch in gesunder Form das schädliche Teilungspotenzial von Krebszellen beibehalten.
Abschalten konnten die Wissenschaftler das diesem Potenzial zugrunde liegende Gen, indem sie dem Mäusefutter ein Antibiotikum zusetzten. Das Myc-Gen der Mäuse war so verändert worden, dass es auf den Wirkstoff Doxyzyklin reagierte. Nun möchte das Team einen Wirkstoff finden, der auf diese Weise auf das Myc-Gen von Krebspatienten wirkt und zu ihrer Behandlung eingesetzt werden könnte.