04.10.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Richard Axel and Linda Buck
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Richard Axel und Linda Buck erhalten den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Die US-amerikanischen Forscher beschrieben als erste die genetische Grundlage des Geruchssinns.
Zwei amerikanische Wissenschaftler erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung des Geruchssinnes. In der Entscheidung des Stockholmer Karolinska Instituts heißt es, die beiden Wissenschaftler Richard Axel und Linda Buck würden geehrt, weil ihre Arbeit dazu beigetragen habe, den unbekanntesten der menschlichen fünf Sinne zu verstehen.
Gedanken und GefühleIn einer Serie von Studien zeigten sie zunächst, wie Nager etwa 10.000 verschiedene Gerüche identifizieren können. 1991 beschrieben die beiden Wissenschaftler vom US-amerikanischen Forschungsverbund
Howard Hughes Medical Institute (HHMI) gemeinsam rund 1000 Gene der Maus, die der Geruchswahrnehmung dienen.
Die Gene dienen als Bauanleitung für Rezeptoren der Riechzellen. Später zeigten unabhängig voneinander beide Forscher, dass in jeder Riechzelle nur eines dieser Gene abgelesen wird. Jede Zelle des so genannten olfaktorischen Epithels in der Nase verfügt also nur über einen Rezeptortyp. Daher reagiert jede Zelle nur auf eine Gruppe chemisch verwandter Geruchsstoffe und das verschieden stark.
Das olfaktorische Epithel enthält Nervenzellen, die Impulse an das Geruchszentrum im vorderen Teil des Gehirns senden. Dieser Hirnteil ist zum einen mit der Hirnrinde verbunden, in der bewusste Gedanken gefasst werden. Zum anderen wird die Geruchsinformation an das limbische System weitergeleitet, das für Gefühlswahrnehmung zuständig ist.
Duftende BotschaftenIn Zusammenarbeit mit der HHMI-Forscherin Catherine Dulac untersuchten beide Forscher die Wahrnehmung von Pheromonen bei Nagern. Pheromone sind Geruchsstoffe, die der innerartlichen Kommunikation etwa zwischen paarungsbereiten Weibchen und Männchen dienen. Ihre Wahrnehmung und die Verarbeitung der Informationen im Gehirn läuft unabhängig von etwa Nahrungs- oder anderen Gerüchen ab.
1995 zeigten Axel und Dulac, dass die Rezeptoren für Pheromone mithilfe einer eigenen Gen-Familie im so genannten Vomero-Nasalorgan, einem Teil des olfaktorischen Epithels, von Ratten gebildet werden. Zwei Jahre später entdeckten Buck und Dulac eine weitere Gruppe von Pheromon-Rezeptoren bei Ratten und Mäusen.
Wie das Nobelpreiskomitee erklärte, hätten Axel und Buck in eleganten und oft parallelen Studien wichtige Einblicke in diese Funktionsweise der Geruchsrezeptoren und der zugrunde liegenden Genetik ermöglicht.
Der Nobelpreis ist umgerechnet mit etwa 1,1 Millionen Euro dotiert, den sich beide Wissenschaftler teilen. Verliehen werden die Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm.