24.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Die Neugeborene 'Tamara'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Durchbruch für die Fruchtbarkeits-Medizin: Eine Frau brachte ein Kind zur Welt, nachdem ihr Eierstock-Gewebe entnommen und wieder eingepflanzt worden war.
Frauen, die durch eine Krebsbehandlung ihre Fruchtbarkeit verlieren, können diese wieder gewinnen. Jetzt brachte eine Patientin erstmals ein Kind zur Welt.
Natürliche SchwangerschaftDas Kind, ein gesundes Mädchen mit 3,72 Kilogramm Gewicht, wurde am gestrigen Donnerstag um 19:05 Uhr in der Universitätsklinik St. Luc in Brüssel geboren. Es handelt sich um die weltweit erste Geburt nachdem einer Frau Eierstock-Gewebe entnommen, es tiefgekühlt gelagert und wieder eingepflanzt worden war, berichtet das Fachmagazin «The Lancet» in seiner heutigen Ausgabe.
Die 32-jährige Mutter Ouarda Touirat war mit Chemo- und Strahlentherapie gegen die so genannte Hodgkins-Krankheit, eine Krebserkrankung des Lymphgewebes, behandelt worden. Das Eierstock-Gewebe wurde ihr zuvor, im Jahr 1997, entnommen und sieben Jahre tiefgekühlt gelagert. Im vergangenen Jahr wurde es wieser eingepflanzt. Fünf Monate darauf stellte sich ihr Menstruationszyklus wieder ein, wiederum sechs Monate später wurde sie auf natürliche Weise schwanger.
Neue PerspektivenDer leitende Mediziner Jacques Donnez sagte, dass die Geburt neue Perspektiven für Frauen eröffne, die ihre Fruchtbarkeit aufgrund einer Krebsbehandlung zu verlieren drohen. «Die Gefrierlagerung von Eierstock-Gewebe sollte allen jungen Frauen angeboten werden, bei denen Krebs diagnostiziert wurde», sagte der Arzt von der
Université catholique de Louvain in Brüssel.
Darüber hinaus sollten Möglichkeiten zur Entnahme unreifer Eizellen, deren Reifung außerhalb des Körpers und ihrer Gefrierlagerung sowie die Gefrierlagerung künstlich erzeugter Embryonen genutzt werden.