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Neue Gefäße helfen Schlaganfälle zu umgehen

21. Sep 2004 12:18
Bei unbehandelten Tieren (links) waren die geschädigten Bereiche nach einem Schlaganfall deutlich größer.
Schlaganfällen kann vorgebeugt werden. Wissenschaftler wollen dazu bei Risikopatienten neue Blutgefäße für die Versorgung des Gehirns wachsen lassen.

Schlaganfälle sind nach Herzinfarkten und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Jeder fünfte über 65-Jährige ist davon betroffen, in jedem zehnten Fall endet der Schlaganfall tödlich. Jetzt haben Forscher vom Kölner Max-Planck-Institut für neurologische Forschung eine neuartige Form der Prophylaxe getestet.

Gefäßwachstum per Medikament

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Die Wissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit klinischen Forschern der Universität Freiburg am Tiermodell gezeigt, dass es möglich ist einen Ersatzkreislauf anzulegen, der im Falle des plötzlichen Gefäßverschlusses bei einem Schlaganfall Durchblutungsstörungen verhindert. Die Größe der betroffenen Hirnbereiche bei künstlich ausgelösten Hirninfarkten konnte dadurch um mehr als die Hälfte reduziert werden.

Angeregt wird das Wachstum der Umgehungsgefäße pharmakologisch: durch ein verabreichtes Protein, den so genannten Granulozyten-Makrophagen Kolonie-stimulierenden Faktor (GM-CSF), berichteten die Forscher kürzlich im Magazin «Proceedings of the National Academy of Sciences».

«Effiziente Vorbeugung»

Mehr im Internet:
Um einen künstlichen Schlaganfall auszulösen zu können, wurden bei den Versuchstieren drei Gefäße verschlossen, die das Gehirn versorgen. Blut wird dem Organ dann nur noch über eine Halsschlagader zugeführt. Umgehungsgefäße an der Hirnbasis, das so genannte Circulus Willisii, halten die Versorgung der ursprünglich von den anderen drei Gefäßen versorgten Hirngebiete jedoch zum Teil aufrecht. Die Hirndurchblutung sinkt nach diesem Eingriff auf etwa die Hälfte, was keine Hirnschädigung bewirkt, aber das Risiko für einen Schlaganfall stark erhöht.

Wird der Blutdruck der so behandelten Tiere gesenkt, reicht die Versorgung über das Circulus Willisii nicht mehr aus und innerhalb weniger Minuten bildet sich auf der Seite, auf der die Halsschlagader verschlossen wurde, ein Hirninfarkt. Dieses Risiko wird durch das Wachstum von Umgehungsgefäßen Circulus Willisii deutlich reduziert, sagen die Forscher. Bei den pharmakologisch mit GM-CSF behandelten Tieren konnte die Blutversorgung dadurch deutlich verbessert werden.

«Für den klinischen Schlaganfall eröffnen diese Befunde interessante Perspektiven», sagt Konstantin-Alexander Hossmann. Bei Risikopatienten mit bereits verminderter Hirndurchblutung könnte wie in den Tierversuchen das Wachstum von Umgehungsgefäßen ausgelöst werden. «Dies wäre eine sehr effiziente Methode, um den Eintritt eines Schlaganfalls zu verhindern», sagt der Max-Planck-Forscher. Er plant, diese neue Therapie bald in klinischen Untersuchungen zu erproben. (nz)

 
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