10. Sep 2004 13:15
Die Liste bedrohter Pflanzen und Tiere muss erweitert werden, sagen Forscher. Das Überleben Tausender Arten ist an das gefährdeter anderer gekoppelt.
«Derzeitige Schätzungen über das Aussterben müssen neu geeicht werden», sagen die Forscher um Lian Pin Koh von der University of Singapore. Der Faktor Ko-Extinktion müsse berücksichtigt werden. Um rund 6300 Spezies müsste die Liste gefährdeter Arten ergänzt werden, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science».Das internationale Biologenteam hat eine Liste von 12.200 gefährdeten Pflanzen- und Tierarten zusammengestellt und untersucht, welche weiteren Arten von ihnen abhängen. Dabei kann es sich etwa um Parasiten handeln, die auf Wirte angewiesen sind, oder Insekten wie Schmetterlinge, die eine bestimmte Nahrungspflanze haben. «Der Trick bestand darin herauszufinden, wie viele weitere Arten als Wirte infrage kommen», sagt Heather Proctor von der University of Alberta. Der so ermittelte Grad der Abhängigkeit konnte in die Risikokalkulation eingerechnet werden.
Unter den am stärksten Ko-Extinktions-gefährdeten Arten sind viele Parasiten, fanden die Forscher. Sie vermuten, dass der Risikofaktor Ko-Extinktion bislang weitgehend außer Acht gelassen wurde, da es sich dabei um unscheinbare und unpopuläre Arten handelt. Doch das Risiko müsse bei der Planung von Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden, schließen sie.
Über eine dieser Maßnahmen, die Beschränkungen des internationalen Handels mit Produkten von gefährdeten Pflanzen- und Tierarten, wird vom 2. bis zum 14. Oktober beraten. Dann findet in Bangkok das 13. Treffen der am Washingtoner Artenschutzübereinkommen Cites beteiligten Regierungen statt.Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat anlässlich der Konferenz eine Liste der «zehn meist Gesuchten auf dem Weltmarkt» veröffentlicht. Dazu gehören etwa der Napoleonsfisch, die Papua-Weichschildkröte und die tropische Baumgattung Ramin. «Unsere Top Ten-Liste zeigt, wie vielfältig der internationale Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten ist», sagt Volker Homes, WWF-Artenschutzexperte. Die Umweltschutz-Organisation werde sich auf der Konferenz in Bangkok dafür stark machen, dass nicht nur charismatische Arten wie Tiger und Weißer Hai eine Chance bekommen.