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Sein Gehirn ermöglichte dem Urvogel zu fliegen

05. Aug 2004 13:37
Konnte mehr als nur Gleiten: Urvogel Archaeopteryx
Computeraufnahmen vom Schädel des Archaeopteryx legen nahe, dass der Urvogel richtig fliegen konnte. Das rekonstruierte Gehirn ähnelt stark dem heutiger Vögel.

Der Archaeopteryx konnte fliegen. Dafür hat ein Team von Wissenschaftlern der Universität Texas in Austin jetzt Beweise vorgelegt.

Der Vorfahre der Vögel hatte ihrer Angaben zufolge ein Gehirn, das ihm schwierige Flugmanöver ermöglicht haben soll. Mit Computeraufnahmen eines Fossils rekonstruierten sie die Form des Gehirns von Archaeopteryx.

Streit um flugunfähige Urvögel

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«Dieses Tier hatte sehr große Augen und passend dazu ein sehr großes Sehfeld im Gehirn, sowie einen großartigen Gleichgewichtssinn», sagte Timothy Rowe, der für den hochauflösenden Computertomographen an der Universität zuständig ist. «Auch sein Innenohr sieht dem von modernen Vögeln sehr ähnlich.» Gemeinsam mit der Paläontologin Angela Milner vom Naturhistorischen Museum in London bestimmte er die Vogelhirn-Merkmale anhand eines Schädelfragments des Urvogels.

Die neuen Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Nature» erschienen. Sie könnten klären helfen, ab wann Vögel erstmals in der Lage waren, richtig zu fliegen. Über die Flugfähigkeiten des Archaeopteryx und anderer möglicher Bindeglieder zwischen den Dinosauriern und Vögeln wird seit Jahren unter Wissenschaftlern gestritten. Viele glauben, dass Archaeopteryx lediglich von Baum zu Baum gleiten konnte. Dinosaurierfunde aus den letzten Jahren haben diese Diskussion weiter angeheizt. Manche vogelähnliche Saurier hatten ebenfalls Federn, es wird aber bezweifelt, dass sie fliegen konnten. Dass Archaeopteryx zu diesen flugunfähigen Sauriern gehörte, sei nun wiederlegt, sagte Rowe.

Der erste Fund eines 147 Millionen Jahre alten Archaeopteryx im Jahr 1861 hatte für großes Aufsehen gesorgt. Das Tier verfügte über Merkmale von Vögeln und von Reptilien. Es hatte Federn und Flügel, aber auch Zähne und Krallen an den Vordergliedmaßen. Das Fossil war das Bindeglied zwischen den beiden Tiergruppen und stützte damit die kurz zuvor veröffentlichte Theorie über die Entstehung der Arten von Charles Darwin.

Hohe Anforderungen des Fliegens

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Die Wissenschaftler werteten 1300 Bilder des Schädelstückes aus, das Gehirn, Augen und Ohren des Urvogels umschloss. Mittels einer 3D-Software rekonstruierten sie Größe und Hauptmerkmale des Gehirns. Dazu mussten sie am Computer Teile des Schädeldaches des plattgedrückten Fossils wieder in die Lage bringen, die sie vermutlich ursprünglich hatten.

Wegen der Anforderungen des Fliegens benötigen Vögel über sehr leistungsfähige Hirnareale etwa im Bereich der optischen Wahrnehmung. Aufgrund der inneren Form des Schädels nehmen die Forscher an, dass der Vogelvorfahr ein großes Mittelhirn hatte, eine Region, die für die Koordination von Augen und Ohren wichtig ist. Zudem verfügte er wie Vögel über komplexe Innenohrstrukturen. Auch für die Verarbeitung anderer für das Fliegen wichtiger Sinneseindrücke sei das Gehirn ausgestattet gewesen, so die Forscher. Archaeopteryx könnte Informationen über den Winddruck an den Federn der Flügel genutzt haben, um während des Fluges seine Körperhaltung zu ändern.

Nach der wiederhergestellten Schädelform hatte der taubengroße Vogelvorfahr im Vergleich zu seiner Körpergröße ein Gehirn, das dreimal so groß ist, wie das von Krokodilen und der Größe der Gehirne von modernen Vögeln entspricht. «Es gibt sogar heute lebende Vögel, deren Hirngröße im Verhältnis kleiner ist als das von Archaeopteryx», sagte Rowe. (nz)

Angela Milner und Timothy Rowe platzieren ein Schädelfragment des Urvogels im CT
 
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