09.07.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Ameise nimmt Pflanzensaft auf.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einige Pflanzen schützen sich mit Ameisen vor Fraßfeinden. Doch die Entlohnung der «Leibwächter» fällt unterschiedlich aus.
Ameisenpflanzen, wie etwa die Akazie, verteidigen sich indirekt gegen Fraßfeinde: Sie lassen Ameisen die Fraßfeinde vertreiben oder töten und entlohnen sie mit süßem Pflanzensaft. Wie die «Ameisenpflanzen» diese Strategie optimieren, haben Forscher jetzt untersucht.
Dauerhaft oder nach BedarfWissenschaftler vom
Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena haben gemeinsam mit deutschen und französischen Kollegen Feldversuche in Mexiko durchgeführt. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten sie , wie die Pflanzen ihre Leistungen an ihr Schutzbedürfnis angepasst haben. Einige Akazien beherbergen ständig Ameisenkolonien. Andere locken die Insekten dagegen nur dann, wenn sie angefressen werden.
Die Forscher fanden heraus, dass entsprechend dieser unterschiedlichen Strategien sich auch die Sekretionsmuster des Blattnektars voneinander unterscheiden: Die erste Gruppe von Pflanzen muss ihre Ameisenkolonie dauerhaft ernähren. Der Zuckersaft wird daher ständig abgesondert. Die zweite Gruppe lockt dagegen Ameisen an, die nicht auf die Pflanzen angewiesen sind. Bei ihnen wird der Nektarfluss durch Fraßschäden aktiviert.
Biologische SchädlingsbekämpfungUm zu klären, welche der beiden Formen des Nektarflusses evolutionär älter ist, haben die Wissenschaftler den Stammbaum der Ameisenakazien untersucht. Ihre Analyse ergab, dass der dauerhafte Nektarfluss in der Evolution aus dem aktivierbaren hervor gegangen ist.
Jetzt wollen die Forscher untersuchen, inwieweit auch andere derartige Verteidigungsmechanismen bei Pflanzen von «aktivierbar» auf «permanent vorhanden» umgeschaltet werden können. Durch Fraß aktivierte pflanzliche Verteidigung gibt es nicht nur bei den Ameisenpflanzen. Viele pflanzliche Gift- oder Bitterstoffe werden über denselben Signalweg aktiviert. Diese Verteidigungs-Mechanismen könnten in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, teilte die
Max-Planck-Gesellschaft mit. (nz)