netzeitung.deHeuschreckenplage bedroht Westafrika

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Wüstenheuschrecke bei der Eiablage (Foto: FAO/K. Cressman<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wüstenheuschrecke bei der Eiablage
Foto: FAO/K. Cressman
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bürgerkrieg und unbeständige Regenfälle gefährden die Versorgung der Bevölkerung afrikanischer Staaten. Zudem formieren sich riesige Heuschreckenschwärme.

Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen warnt vor einer «dramatischen Zunahme» der Heuschrecken in Westafrika. Die landwirtschaftliche Produktion im Gebiet von der atlantischen Küste bis zum Tschad sei gefährdet. Die Organisation fordert verstärkte internationale Hilfsmaßnahmen.
Versorgung gefährdet
Erste Schwärme der Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria seien bereits aus dem nordwestlichen Afrika nach Mauretanien, in den Senegal und nach Mali gelangt, teilte die FAO am gestrigen Dienstag mit. Viele weitere Schwärme würden in Niger und im Tschad erwartet, warnt die Organisation.

Da in der Sahelzone die sommerlichen Niederschläge eingesetzt hätten, müsse damit gerechnet werden, dass die Tiere in dem riesigen Gebiet Eier legen und die Schwärme bis nach Darfur im Sudan gelangen. In dieser Krisenregion befinden sich zur Zeit 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht, deren Versorgung mit Lebensmitteln nicht gesichert ist.

Gelbe Wanderer
Die Wüstenheuschrecke gehört zu den Arten, die unter bestimmten Bedingungen «wandern». Kommt es in einem Gebiet zu einer starken Vermehrung und die Nahrung wird dort knapp, schließen sich die bis dahin solitär lebenden Insekten zu Schwärmen zusammen. Mit ihrem Verhalten verändern sie auch ihr Aussehen: Die braunen Insekten werden gelb. Die Schwärme der Nymphen genannten Jungtiere wandern, die der erwachsenen Tiere fliegen auf Nahrungssuche in andere Gebiete. Ihre Richtung wird maßgeblich vom Wind beeinflusst.

Die Schwärme können sich über Hunderte Quadratkilometer erstrecken, mit 40 bis 80 Millionen Tieren pro Quadratkilometer. Bei einem Bedarf von bis zu etwa zwei Gramm Grünzeug pro Tier frisst ein Schwarm von 100 Millionen Tieren 200 Tonnen Pflanzen pro Tag. Die FAO fordert daher den Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel. Bislang seien mehr als vier Millionen Hektar Land in den nordafrikanischen Staaten Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen und Mauretanien besprüht worden. Weitere Bekämpfungsmaßnahmen seien dringend erforderlich um die Plage abzuwenden, heißt es in der Mitteilung.

Versorgungsengpässe
In ihrem Afrika-Report, den sie am heutigen Mittwoch vorlegte, warnt die FAO vor Ernährungs-Notlagen in 23 Staaten südlich der Sahara. Der Bedarf für Nahrungsmittel-Lieferungen liege bei geschätzten 2,9 Millionen Tonnen. Ursachen für die Versorgungsengpässe seien ausbleibende Niederschläge, innere Konflikte und die Aids-Epidemie in der Region.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier