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Ur-Kolibri in Deutschland entdeckt

07. Mai 2004 10:14
Eine der zwei gefundenen Kolibri-Fossilien
Den ältesten fossilen Nachweis moderner Kolibris hat ein Forscher jetzt entdeckt. Der Fund belegt das Vorkommen der Tiere in unvermuteten Gefilden.

Kolibris findet man heute nur in Nord- und Südamerika. Doch die für ihren Flugkünste bekannten Vögel gab es auch in der alten Welt, wie ein Fossilienfund jetzt belegt. Wahrscheinlich hinterließen die Tiere hier sogar mehr Spuren als versteinerte Knochen.

Ähnliche Überraschung

Mehr in der Netzeitung: Paläontologie
Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main beschreibt in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» die ältesten bekannten Fossilien eines modernen Kolibris. Der Paläontologe entdeckte die mehr als dreißig Millionen Jahre alten Fossilien in der Nähe von Frauenweiler in Süddeutschland. Er benannte die Art Eurotrochilus inexpectatus, was so viel bedeutet wie «unerwarteter europäischer Trochilus».

Die Untersuchung der zwei entdeckten etwa vier Zentimeter messenden Skelette zeigte Parallelen zu den heutigen Verwandten der Tiere aus Übersee auf. Eurotrochilus inexpectatus hatte wie Vertreter der modernen Kolibri-Gattung Trochilus einen langen Schnabel und Flügel, die es ihm erlaubten, im Schwirrflug vor Blüten schwebend Nektar zu trinken. «Fossilien primitiver Kolibris wurden in der alten Welt bereits gefunden, aber es war eine Überraschung einen Vogel zu finden, der modernen Kolibris ähnlich ist», sagt Mayr dem Online-Dienst der BBC.

Bunte Spuren

Mehr im Internet:
Die Tiere hatten in dem Erdzeitalter Oligozän, aus dem die Funde stammen, offenbar ein größeres Verbreitungsgebiet als heute. Später starben sie in Europa, Afrika und Asien aber aus, vermutet der Forscher. Was zum Verschwinden der kleinen Vögel führte, ist unklar. Klimatische Veränderungen oder die Konkurrenz mit anderen Vögeln und Insekten könnte den Tieren ihre Nahrungsgrundlage entzogen haben.

Doch spurlos ist die Existenz der Ur-Kolibris wahrscheinlich nicht an der alten Welt vorbei gegangen. Mayr vermutet, dass die Vögel in einem Prozess, der als Koevolution bezeichnet wird, die Form der Blüten einiger Nahrungspflanzen beeinflusst haben. In gegenseitiger Anpassung veränderten sich in der Evolution demnach die Schnabelform der Vögel und die Blütenform der Pflanzen. So biete etwa ein Springkraut der Gattung Impatiens noch heute mit langen Kelchblüten ohne «Landerampe» ideale Anflugbedingungen für Kolibris. Jetzt müssten Botaniker die Altweltpflanzen auf Hinweise einer Koevolution mit Kolibris untersuchen, sagt Mayr.

Heutiger Kolibri der Art <i>Amazilla rutila</i> an einer typischen Nahrungspflanze, fotografiert in Mexiko.

 
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