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Neandertaler wuchs schneller
als der moderne Mensch

29. Apr 2004 07:45
Nachbildung eines Neandertaler-Skeletts
Der Neandertaler war schon mit 15 Jahren ausgewachsen. Die Erforschung der Zähne deutet auf schnelleres Wachstum als beim zeitgleich lebenden Menschen.

Im Vergleich zu damals lebenden Vorfahren des heutigen Menschen sind Neandertaler laut einer Studie schneller gewachsen. Im Alter von 15 Jahren seien die vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Ureinwohner bereits ausgewachsen gewesen, berichtet das britische Magazin «Nature».

Alter nach Zähnen

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Die Wissenschaftler Fernando Ramirez Rozzi, vom Pariser Forschungsinstitut (CNRS) und Jose Bermudez de Castro, vom Naturwissenschaftlichen Nationalmuseum in Madrid (CSIS) untersuchten eineinhalb Jahre lang Eck- und Schneidezähne von mehr als einhundert Neandertalern und modernen Menschen. Die Forscher analysierten den Zahnschmelz der, ähnlich den Jahresringen von Bäumen, das Alter und den Wachstumsprozess dokumentiert. Dabei fanden sie heraus, dass die Zähne der Neandertaler im Durchschnitt 15 Prozent schneller wuchsen als die der zeitgenössischen Menschen.

Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass auch der gesamte Körper schneller wuchs. Die Neandertaler wurden mit 15 Jahren erwachsen. Der Homo sapiens dagegen erst mit 18 bis 20 Jahren. Die Neandertaler hätten sich unwirtlichen Lebensumständen anpassen müssen, sagte Rozzi. Auch ihre Geschlechtsreife hätten sie daher schneller erlangen müssen.

Kein direkter Vorfahr

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Die Forscher sehen darin eine Bestätigung der Annahme, dass die Neandertaler nicht als direkte Vorfahren der heutigen Menschen eingestuft werden können.

Die Neandertaler, die nach einem 1856 entdeckten Fundort im Neandertal bei Düsseldorf benannt wurden, bevölkerten vor mindestens 125.000 Jahren Europa und Asien, bis sie vor rund 30.000 Jahren ausstarben. In der Forschung ist umstritten, ob sie sich mit den modernen Menschen vermischten.

Kollegen skeptisch

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Um dieses zügige Wachstum zu erreichen, hatten die Neandertaler nach Stand der Forschung einen schnelleren Stoffwechsel. Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass die Neandertaler auch über größere Gehirne verfügten als die modernen Menschen.

Der amerikanische Anthropologe Erik Trinkaus äußerte Skepsis gegenüber der Studie. Das Wachstum der Zähne schwanke in einer Population stark, sagte er. Nicht alle von Rozzi untersuchten Zähnen der Neandertaler seien schnell gewachsen, manche genauso langsam wie beim Homo sapiens. (nz)

 
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