14. Apr 2004 11:49
Tierversuche haben die Wirkung eines neuen Erektions-fördernden Mittels bereits gezeigt. Anders als etwa Viagra wirkt die Substanz oberhalb der Gürtellinie.
Die ABT-724 genannte Substanz ist eine Variante des Apomorphins. Im Gegensatz zu diesem Morphin-Abkömmling bindet es jedoch nur an die so genannten D4-Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin. Dadurch wird eine Reaktionskette ausgelöst, die zu ein Entspannung der Blutgefäße in den Schwellkörpern des Penis und damit zu einem vermehrten Zustrom von Blut und zu einer Erektion führt. Im Gegensatz zu ABT-724 bindet Apomorphin an alle Dopamin-Rezeptoren. Als Nebenwirkung treten daher häufig Übelkeit und in selteneren Fällen Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Benommenheit auf.Bei Ratten, denen ABT-724 injiziert wurde, blieben unerwünschten Wirkungen aus, berichten Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences». «Es wirkt nur auf die Dopamin-Rezeptoren, die für den Haupteffekt verantwortlich sind», zitiert am heutigen Dienstag der Online-Dienst des Magazins «Nature» James Sullivan, einen der Forscher von den Abbott Laboratories in Abbott Park, Illinois.
Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil wirkt dagegen am Ort des Geschehens. Er blockiert ein Enzym, was ebenfalls zu einer Entspannung der Blutgefäße im Schwellkörper führt. Nebenwirkungen treten jedoch in anderen Körperregionen auf. So kann es zu einer Störung der Farbwahrnehmung, Hautrötungen oder Kopfschmerzen kommen. Ein ABT-724-Präparat für Menschen könnte denen Hoffnung geben, die die berühmten blauen Pillen nicht gut vertragen, sagt Sullivan. Impotente Männer könnten beide Mittel – in jeweils geringerer Dosis – kombinieren und so die unerwünschten Nebenwirkungen umgehen.Die Erregungs-steigernde Substanz könne jedoch nur Männern helfen, deren erektile Dysfunktion nicht auf organischen Beschwerden wie etwa Durchblutungsstörungen bei Diabetes-Kranken beruhen. Mit ABT-724 könnten möglicherweise auch Frauen behandelt werden. «Weibliche sexuelle Dysfunktion ist ein sehr komplexes Gebiet», sagt Sullivan. Die Wissenschaftler wollen nun erforschen, welche Rolle der D4-Rezeptor bei Frauen spielt. (nz)