02. Apr 2004 10:57
Von Flossen zu Fingern: Forscher habe ein Fossil entdeckt, bei dem es sich um den ältesten bekannten Oberarmknochen handeln könnte.
Ein Paläontologenteam um Neil Shubin von der University of Chicago fand den fossilen Knochen im Gestein des so genannten Red Hill im US-Bundesstaat Pennsylvania. Das etwa vier mal sechs Zentimeter messende, L-förmige Fundstück stammt aus dem oberen Devon – einer Zeit vor etwa 370 Millionen Jahren.Es handelt sich um einen so genannten Humerus, wie auch der menschliche Oberarmknochen bezeichnet wird. Die Gestalt des Tieres, von dem der Fund stammt, hat jedoch eher an einen heutigen Salamander erinnert, sagen die Forscher. Seine Art ist unbekannt, die Forscher rechnen das Tier jedoch zur Gruppe der ersten Tetrapoden, jenen Vierfüßern, von denen alle heutigen Landwirbeltiere abstammen.
Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichten, deutet der Fund darauf, dass sich die Gliedmaßen nicht wie lange angenommen erst mit der Besiedlung des Landes entwickelten. Sie schließen aus der Form des Knochens, dass sein Besitzer noch ein Wassertier war. Der Knochen unterscheide sich zu stark von denen früher Landtiere.«Die Form zeigt uns, dass der Unterarm sehr muskulös und zum Boden gerichtet und der Ellbogen ständig eingeknickt war», sagte Edward Daeschler, einer der Forscher dem Online-Dienst der BBC. Er sei für Bewegungen von oben nach unten und weniger von vorne nach hinten geeignet. Der Oberarm diente seinem Besitzer wahrscheinlich dazu, sich am Grunde von Fließgewässern abzustützen und den Kopf heben zu können. Möglicherweise schnappten die Lauerjäger auf diese Weise nach Beute.
Diese ersten Liegestütze haben sich abgespielt lange bevor die ersten Lebewesen über Land krochen, sagen die Paläontologen. Es sei aber möglich, dass die Tiere ihre vorderen Extremitäten auch nutzten, um sich in flachem Wasser fort zu bewegen. Darauf deuten Fußspuren, die in versteinerten Flussbetten aus dieser Zeit gefunden wurden. Der Knochenfund belege, dass die Vielfalt der Funktionen von Oberarmknochen in dieser Zeit bereits größer war als bislang angenommen, schließen die Forscher.