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Denken statt kauen

25. Mrz 2004 12:06
Formveränderung des Schädels in der menschlichen Evolution
Die Entwicklung des Gehirns war entscheidend für die Evolution des modernen Menschen. Offenbar wuchs das Organ auf Kosten der Kieferkraft.

Alle heutigen Menschen teilen ein genetisches Merkmal: Eine Mutation in einem Gen für ein Kiefermuskel-Protein. Daher fehlt eine starke Kiefermuskulatur, die frühere Menschen noch aufwiesen. Doch dieser Verlust gab dem Schädel Entwicklungs-Freiraum, sagen jetzt Forscher, und ermöglichte die Vergrößerung des Gehirns.

«Muskeln formen Knochen»

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Die Mutation des Gens MYH16 sei etwa 2,4 Millionen Jahre alt berichtet das Team um Hansell Stedman von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Aus dieser Zeit stammten auch die ersten Funde menschentypischer runder Schädel mit vergleichsweise kleinen Kiefern. Andere heute lebende Primaten wie Schimpansen und Makaken tragen die Mutation nicht in ihrem Erbgut. Ihre Schädel sind wie die früherer Menschen schmaler und haben große Kieferknochen sowie Vorsprünge am Schädel, an denen die starke Kaumuskulatur ansetzt.

«Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Kraft in diesen Muskeln verloren ging, beschleunigte sich die Evolution der Hirngröße», zitiert der Online-Dienst der Zeitschrift «Nature», in der der Artikel jetzt veröffentlicht wurde, Nancy Minugh-Purvis aus dem Wissenschaftlerteam. «Muskeln formen Knochen», sagt Stedman, der leitende Forscher. Unsere Vorfahren könnten die Vorsprünge am Schädel demnach verloren haben, als die Muskeln weniger Kraft auf den Knochen ausübten.

Klein aber oho

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Dies habe die Formentwicklung des modernen Menschenschädels ermöglicht. Starke Kiefer verhinderten demnach starkes Hirnwachstum. Doch gegen diese Theorie spricht die Tatsache, dass die Schädel-Vorsprünge das Hirnwachstum bei anderen Primaten nicht behinderten. Bei Schimpansen sei das Hirn im Alter von drei Jahren voll entwickelt, die Vorsprünge bildeten sich dagegen später, bis zum zehnten Lebensjahr, sagt Daniel Lieberman.

Nach Ansicht des Evolutionsforschers von der «Harvard University» in Cambridge, Massachusetts, bestimmt vor allem das Hirn das Wachstum der Hirnschale. Zudem waren die Vorfahren des Menschen noch bis zu einer Zeit vor etwa 1,8 Millionen Jahren mit vergleichsweise kleinen Gehirnen ausgestattet. Doch nach Stedmans Argumentation könnte selbst ein zunächst kleiner Wachstumsschub des Gehirns den frühen Menschen entscheidende Vorteile verschafft haben. (nz)

 
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