04.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Satellitenbild des Heron Island Riffs mit dem grau erscheinenden Riffgürtel und der hellen Lagune.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Stoffkreislauf läuft wie geschmiert: Korallenschleim dient im Riff-Ökosystem als Nährstoffträger und Partikelfalle.
Forscher des Bremer Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie (MPI) haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem das Ökosystem der Korallenriffe lebensnotwendige Nährstoffe zurückhält und hinzugewinnen kann.
Zentimeterdicke TeppicheWie das Forscherteam um Markus Hüttel in der heutigen Ausgabe des Magazins «Nature» berichtet, sondern Korallen regelmäßig, insbesondere bei Ebbe, Schleim ab. So schützen sich diese Lebewesen davor auszutrocknen oder von Sedimenten und Bewuchs bedeckt zu werden. Die mit den Korallenpolypen in Symbiose lebenden Algen produzieren den Schleim in so großen Mengen, dass er den Hauptbestandteil des organischen Materials im Wasser über den Korallenriffen bildet. An Tagen, in denen die Korallen trocken fallen sondern sie annähernd fünf Liter pro Quadratmeter ab, teilte die Max-Planck-Gesellschaft am gestrigen Mittwoch mit.
Die Bremer Wissenschaftler haben nun gemeinsam mit Kollegen aus Australien und Jordanien auf Heron Island im australischen Great Barrier Reef den Weg der Korallenabsonderungen verfolgt. Wie sie jetzt berichten, lösen sich zwischen 56 und 80 Prozent des abgegebenen Schleims auf und dienen im Wasser lebenden Mikroorganismen als Nahrung. Der übrige Gel-artige, transparente Schleim bildet zunächst lange Fäden und dann milchige Filme an der Wasseroberfläche, die schließlich zu zentimeterdicken Schleimteppichen zusammengeschoben werden.
PartikelfalleIn diesen Teppichen, die bis zu fünfzig Quadratmeter groß sein können, fanden die Wissenschaftler verschiedene Algen, Kleinkrebse, Kammerlinge und Fischeier. Nach wenigen Stunden hat ein solcher Teppich so viele Partikel gefangen, dass er beginnt zu zerfallen und einzelne Teile zum Meeresboden der Rifflagune sinken. Die Tiere und Mikroorganismen der Rifflagune fressen und verarbeiten diese angereicherten Schleimbrocken und setzen Nährstoffe wie Ammonium und Phosphat frei. Durch diesen Mechanismus fördern Korallen das vielfältige Leben im Riffökosystem und gewinnen dabei sogar einen Teil ihrer durch den Schleim abgegebenen Nährstoffe wieder zurück.
Die Bremer Wissenschaftler haben damit einen Prozess aufgedeckt, durch den nicht nur lebensnotwendige Nährstoffe im Riffökosystem zurückgehalten werden. Da der Schleim auch viele Schwebstoffe, die durch das Riff treiben, einfängt, wird das Nahrungsangebot im Ökosystem sogar erweitert. Eine Bilanzierung zeigt, dass dieser Mechanismus allein 14 bis 26 Prozent des Kohlenstoff-, 12 bis 22 Prozent des Stickstoff- und 2 bis 3 Prozent des Phosphorverbrauches der Rifflagune abdeckt. (nz)