22.02.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Korallen am Great Barrier-Riff schrumpfen
Die Korallen des Great Barrier-Riff sind bis zu 18 Millionen Jahre alt. Viel älter werden sie wohl nicht mehr. Laut einer Studie bilden sie sich in den nächsten 50 Jahren weitgehend zurück.
Die Korallen des größten Riffsystem der Erde, des Great Barrier Riffs im Nordosten Australiens, schrumpfen. Laut einer Studie der Universität Queensland ist hierfür das Ansteigen der Wassertemperatur des Pazifischen Ozeans um bis zu sechs Grad Celsius verantwortlich. Da sich die Korallen nicht rechtzeitig darauf einstellen könnten, wird die Korallenkette in den nächsten 50 Jahren verschwunden sein, heißt es in der Studie, die der «Sydney Morning Herald» in Auszügen veröffentlichte.
Demnach nützen auch die günstigsten Bedingungen nichts. Die Korallendecke werde bis zur Mitte dieses Jahrhunderts an den meisten Stellen des Riffs auf weniger als fünf Prozent geschrumpft sein, heißt es in der Studie. Die Untersuchungen setzten demnach voraus, dass ein Anstieg der Wassertemperatur um weniger als ein Grad Celsius bereits verheerende Auswirkungen auf die Korallenwelt hat.
Schutz-Maßnahmen eingeleitetKorallen werden von den marinen Polypen der Familie Coelenterata gebildet. Sie sind sehr empfindliche Lebewesen. Die Wassertemperatur, der Salzgehalt sowie die Klarheit des Wassers bestimmen darüber, ob sich an einem Ort Polypen niederlassen können. Nur diese lebenden Polypen erzeugen die bunten Farben, die das Riff dem Besucher zeigt, während die toten Korallen eine weiße Färbung haben.
Die australische Regierung hat nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen zum Schutz des Riffs eingeleitet. Das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz will das Land jedoch nicht unterzeichnen. Das komme für die Regierung nicht in Betracht, da es sich um keinen weltweit gültigen Vertrag handele, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Er verwies darauf, dass Australien seit vergangenem Jahr ein Drittel der Riff-Fläche unter Naturschutz gestellt habe. Vorher seien es lediglich 4,5 Prozent gewesen. Außerdem sei in diesem Gebiet der Fischfang verboten.
Heimat unzähliger LebewesenDie Studie weist das 2000 Kilometer lange Riff als eine der bedeutendsten Touristenattraktionen der Welt aus. Das Naturwunder trage entscheidend zum nationalen Einkommen bei. Werde es zerstört, würde dies Milliardenverluste für den australischen Staat bedeuten. Der Ministeriums-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Er nannte die Untersuchung lediglich einen «guten Diskussionsbeitrag» zur Zukunft des Riffs.
Das Great Barrier Reef (dt.: Großes Barriere-Riff) ist Heimat unzähliger Lebewesen. Neben den etwa 400 verschiedenen Korallenarten existieren dort rund 1500 verschiedene Arten von Fischen. Zusätzlich gibt es etwa 4000 Mollusken-Typen (Weichtiere), 350 Echinodermen und Tausende Schwämme, Würmer und Krustentiere. Die größten Lebewesen im Great Barrier Reef sind die Dugongs (Seekühe) und Buckelwale. An den Küsten und Stränden tummeln sich zudem unzählige Seevögel sowie sechs von weltweit sieben Spezies von Meeresschildkröten.
Zum Erhalt dieses einzigartigen Naturraumes und Ökosystems wurde das Great Barrier Reef am 26.Oktober 1981 zum Welterbe ernannt. (nz)