netzeitung.deFischfang-Stopp könnte Seevögel gefährden

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Skua (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Skua
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Tierarten im Netz: Einige Fischarten in der Nordsee sind stark überfischt. Doch ihr Schutz könnte negative Folgen für Seevögel haben.

Beifang in der Fischerei gilt als wertlos. Doch offenbar erfüllen die von Nordsee-Fischern über Bord geworfenen zu kleinen oder unbrauchbaren Fische und andere Lebewesen eine ökologische Aufgabe: Sie machen Räuber satt, die ansonsten die Bestände von Seevogelarten dezimieren würden.
Flexible Räuber
Ein Forscherteam um Stephen Votier von der britischen University of Glasgow hat den Zusammenhang der Menge verfügbaren Beifangs und der Ernährung der Großen Raubmöwe Stercorarius skua untersucht. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten, weicht der «Skua» genannte Raubvogel auf kleinere Seevögel wie den Eissturmvogel, den Papageientaucher oder die Trottellumme als Beute aus, wenn weniger Kutter auf Fischfang sind.

Den über Bord geworfenen Beifang haben sich die großen und wehrhaften Vögel als Nahrungsquelle erschließen können, da sie sich in den die Kutter begleitenden Vogelschwärmen gut gegen andere Vögel durchsetzen können. «Skuas sind Generalisten, sie fressen fast alles», sagt Simone Pfeiffer von der Universität Jena. Sie hätten ihr Fressverhalten an die langjährige Fischereipraxis angepasst, so dass selbst erbeuteter Fisch und kleinere Seevögel die Ernährung vom Beifang nur ergänzten.

Schutz für Fische
Ein Stopp des Kabeljau-Fangs in der Nordsee, wie ihn der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) am 20. Oktober 2003 vorgeschlagen hat, könnte die Seevogelgemeinschaft nach Ansicht der an der Studie beteiligten Ökologin stören. «Wenn die Nahrung der Skuas nur um fünf Prozent mehr Seevögel enthält, bedeutet dies, dass etwa 2000 Dreizehenmöwen sterben müssen, die von den Skuas gefressen werden», sagt Pfeiffer.

Der absolute Schutz der Fische hätte demnach den Rückgang anderer Tierarten zur Folge. Die Fischfangquoten sollten daher langsam abgesenkt werden. Die Autoren schlagen zudem vor, den Schutz kleiner Schwarmfische wie des Sandaals Ammodytes marinus zu verstärken, die ebenfalls auf dem Speiseplan der Skuas stehen. Dadurch könnte der Räuberdruck auf die kleineren Seevögel vermindert werden. (nz)