02.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Fundstück vom Janafluss in Sibirien: Steinschaber mit beidseitig geschärfter Kante
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Offenbar konnten Menschen schon früh im arktischen Sibirien überleben. Neue Fundstücke zeugen von möglichen Vorfahren der ersten Siedler Amerikas.
Bislang ging man davon aus, dass die Polarzone Eurasiens erst vor rund 15.000 Jahren besiedelt wurde. Jetzt zeigen Funde im arktischen Sibirien, dass Polarpioniere schon früher in der Region auf Jagd gingen.
Mögliche VorfahrenEin Archäologenteam um Vladimir Pitulko von der Russischen Akademie der Wissenschaften hat am Fluss Jana in Zentralsibirien rund 31.000 Jahre alte Stein-, Horn und Elfenbeinwerkzeuge gefunden. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichten, weisen die Fundstücke Ähnlichkeit zu Artefakten der amerikanischen Clovis-Kultur auf.
Die Clovis-Menschen gelten als die ersten Bewohner des amerikanischen Kontinents. Fundstücke dieser Kultur sind allerdings etwa 16.000 Jahre jünger und stammen von Orten, die in rund 3000 Kilometer Entfernung zur Fundstelle am Janafluss liegen. Dennoch, die sibirischen Fundstücke könnten von den Vorfahren der Menschen stammen, die später über die Beringstraße nach Nordamerika einwanderten, vermuten die Forscher um Pitulko.
Die Funde belegen, dass die Polarzone Asiens bereits zu einer Zeit besiedelt wurde, in der die größten Teile Nordamerikas und Europas noch von Gletschereis bedeckt waren. Die Gegend am Janafluss war jedoch eisfreies Steppengebiet, schreiben die Forscher. Dort kamen große Säugetiere wie das Mammut, das Wollnashorn, der Moschusochse und das Pferd vor. Die sibirischen Polarpioniere lebten von der Jagd auf diese Tiere, was die Funde von vorgefertigten Speerspitzen und Steinwerkzeugen zum Zerlegen von Jagdbeute belegen. (nz)