05.12.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Muschelkrebse tragen einen zweigeteilten Panzer (grau eingefärbt).
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die ersten Penisträger: In 425 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten haben Wissenschaftler ein eindeutig männliches Fossil entdeckt.
Paläontologen haben in Herefordshire in England die fossilen Überreste eines 425 Millionen Jahre alten Kleinkrebses entdeckt. Der Fund ist der bislang früheste Nachweis für männliche Geschlechtsorgane. Das Tier wurde Colymbosathon ecplecticos benannt, was so viel bedeutet wie «erstaunlicher Schwimmer mit großem Penis».
Fossil in ScheibenDoch die Größe des männlichen Geschlechtsorgans sei in der Gruppe der so genannten Ostracoden nichts Besonderes, zitiert die Online-Ausgabe der «New York Times» den leitenden Forscher David Siveter. Unter diesen meist wenige Millimeter großen Muschelkrebsen ihr Körper ist von einem zweiteiligen Panzer eingeschlossen gibt es Arten mit Kopulationsorganen, die ein Drittel ihrer Körperlänge ausmachen. Das jetzt gefundene, etwa fünf Millimeter messende Fossil von
Colymbosathon ecplecticos bringe es dagegen nur auf etwa ein Fünftel.
Wie das Forscherteam um den Geologen Siveter von der britischen University of Leicester in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichtet, sind fossile Funde dieser Kleinkrebse häufig. Unter den versteinerten Gliederfüßern bildeten sie bei weitem den größten Anteil, da ihre biomineralisierte Hülle gut haltbar ist. Doch ein Fossil, bei dem die Form der Weichteile zu erkennen ist, sei extrem selten.
Die Paläontologen schliffen etwa 20 Mikrometer dicke Scheiben von dem Fundstück ab und fotografierten die freigelegten Innenansichten. Im Computer entfernten sie überschüssiges Material aus den Bildern und fertigten aus der Serie eine dreidimensionale, gefärbte Ansicht des Fossils. So konnten sie die Organe eines Muschelkrebses aus einem fast 200 Millionen Jahre früheren Entwicklungsstadium beschreiben als es die bisherigen Fundstücke erlaubten. Doch die Unterschiede, selbst zu heutigen Vertretern, seien bemerkenswert gering, sagen die Forscher. Im Verlauf der vergangenen 425 Millionen Jahre habe die Tiergruppe extrem wenige evolutionäre Veränderungen erfahren.