25. Nov 2003 09:34
Eine in Marihuana enthaltene Substanz kann Fehlgeburten auslösen. Doch zu Beginn einer Schwangerschaft darf das Cannabinoid offenbar nicht fehlen.
Sudhansu Dey von der Vanderbilt University in Nashville, im US-Bundesstaat Tennessee, hat mit Kollegen den Einfluss von Cannabinoiden auf die Embryonalentwicklung von Mäusen untersucht. Anandamid bindet an die gleichen Rezeptoren der Zellen wie der Marihuana-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol. In geringer Konzentration aktiviert es ein Enzym, die so genannte extrazellulär regulierte Kinase. Das ist der erste Schritt in einer Signalkette, die schließlich zur Einnistung des Embryos in die Schleimhaut der Gebärmutter führt.Kurz vor der Einnistung wird das Anandamid im Körper der werdenden Mutter verstärkt ausgeschüttet. Doch schon während des Prozesses sinkt die Konzentration und bleibt im Verlauf der Schwangerschaft niedrig, berichten die Forscher in der Online-Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences». Wird die Konzentration künstlich erhöht, entfaltet das Cannabinoid offenbar eine andere Wirkung.
Das Team um Dey beobachtete bei einem vierfach erhöhten Anandamid-Spiegel eine Hemmung der Kalzium-Kanäle der Embryozellen und eine Unterbrechung der Einnistung. Das Cannabinoid bewirkte in dieser Menge Fehlgeburten bei den Versuchstieren – ein Ergebnis, das offenbar auf Menschen übertragen werden kann. «Spontane Fehlgeburten kommen auch bei Frauen mit erhöhtem Anandamid-Spiegel vor», schreiben die Forscher.Die fein abgestimmte Cannabinoid-Signalkette sei einer der Prozesse, die die Embryonalentwicklung steuerten. Ihre Studie zeige, welchen großen Einfluss ein Cannabinoid auf die weibliche Fruchtbarkeit hat, schließen die Mediziner. (nz)