netzeitung.dePolio-Impfung könnte Krankheit verbreiten

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Lupe Polio-Impfung könnte Krankheit verbreiten

Das Polio-Virus soll mit Massen-Impfungen bis zum Jahr 2007 ausgerottet werden. Doch offenbar birgt die geplante Beendigung des Programms neue Gefahren.

In der Sowjetunion wurden Impfprogramme gegen Poliomyelitis in den Jahren zwischen 1963 und 1966 ausgesetzt. Offenbar hat diese Pause die Ausbreitung des im Impfstoff enthaltenen Virus begünstigt.
Mutierte Erreger-Stämme
Das bis heute standardmäßig eingesetzte oral polio vaccine (OPV) enthält ein «lebendes», funktionstüchtiges Virus. Dieser Erreger kann offenbar mutieren und neue Ausbrüche der Infektionskrankheit verursachen, die nach ihren Symptomen auch Kinderlähmung genannt wird.

Wie Forscher von der russischen Moscow State University heraus gefunden haben, entstanden aus dem im OPV enthaltenen Virus nach Einstellung der sowjetischen Programme neun neue Stämme. Mehr als ein Drittel der ungeimpften Kinder seien diesen mutierten Erreger-Stämmen ausgesetzt worden, die sich weiterhin schnell veränderten, berichten die Forscher im Magazin «Journal of Virology».

«Benzin aufs Feuer»
Demnach könnte die Einstellung der Impfprogramme nach der geplanten weltweiten Ausrottung des Erregers in vier Jahren zu einer neuen Infektionswelle führen. Durch die Anwendung von Vorräten des OPV könnten dann noch gefährlichere Erreger frei gesetzt werden. «Als ob man ein Feuer mit Benzin löschen wollte», zitiert der Online-Dienst des Magazins «Nature» am heutigen Montag Vadim Agol, den leitenden Forscher.

Experten der Weltgesundheits-Organisation, die die so genannte «Global Polio Eradication Initiative» betreibt, sind sich des Problems bewusst. Ein Ausbruch der Krankheit in der Dominikanischen Republik und Haiti im Jahr 2000 konnte bereits auf das OPV zurück geführt werden. Ähnliche Vorfälle haben sich später auch auf den Philippinen und Madagaskar sowie in Ägypten ereignet.

Wie die Impfprogramme nach der Ausrottung des natürlichen Virus beendet werden sollen, ist bislang unklar. Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßige Impfungen die Überlebensrate des Impf-Virus begrenzen. In Kuba etwa, wo alle sechs Monate geimpft wird, ist der Erreger drei Monate nach dem letzten Impftermin nicht mehr nachzuweisen, da zu wenige Kinder Infektions-empfänglich sind. (nz)