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Sozialkompetenz macht gute Pavianmütter aus

14. Nov 2003 12:25
Ein ausgewachsenes Weibchen laust ihre Schwester. Fellpflege bekräftigt die Bindung der Tiere.
Lebenswichtige Sozialkontakte: Wenn Pavianweibchen Zeit mit anderen verbringen, erhöhen sie offenbar die Überlebenschancen ihres Nachwuchses.

Freiland-Beobachtungen an heute lebenden Verwandten des Menschen helfen, die Entwicklung des Primaten Homo sapiens zu verstehen. Die Untersuchung von Paviangruppen etwa zeigt, dass soziale Kontakte in der Gruppe lebenswichtig sein können.

Paviane im Zehn-Minuten-Takt

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Seit fast zwanzig Jahren beobachten Verhaltensforscher Paviane (Papio cynocephalus) im Amboseli-Becken in Kenia. Die Forscher haben die Tagesaktivität der Tiere sechs Tage die Woche im Zehn-Minuten-Takt dokumentiert. Jetzt hat ein Team um Joan Silk von der US-amerikanischen University of California in Los Angeles Daten aus sechzehn Jahren zum Sozialleben der Weibchen in den mehr als 100 Paviangruppen ausgewertet.

Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichten, entscheidet die Sozialkompetenz der Tiere über ihren Fortpflanzungserfolg. Demnach überlebt der Nachwuchs von Weibchen, die viel Zeit mit der Fellpflege von oder durch andere Gruppenmitglieder verbringen, das erste Jahr häufiger als der Nachwuchs von sozial weniger aktiven Tieren. «Bis jetzt konnte noch keine so direkte Verbindung von den sozialen Beziehungen zum Fortpflanzungserfolg gezogen werden», sagt Silk.

Alleinsein ist ungesund

Für Paviane ist das erste Lebensjahr kritisch. Ihre Entwicklung in dieser Zeit entspricht in etwa der von Menschen bis zum sechsten Lebensjahr. Pavianjunge, die ihren ersten Geburtstag erleben, haben gute Chancen selbst einmal Nachwuchs hervor zu bringen. Wie die mütterlichen Kontakte das Überleben der Jungen begünstigen, muss noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Die Forscher vermuten, dass bereits die räumliche Nähe zu Artgenossen etwa Raubtiere abschreckt. Darüber hinaus könnten sich weniger offensichtliche Faktoren positiv auswirken.

Die sozial-abhängige Überlebensrate der Paviane belege, wie wichtig individuelle Kontakte und Bindungen für Primaten sind. Offenbar deckt sich das Ergebnis der Pavianstudie auch mit Erkenntnissen über das Sozialleben des Menschen. So bringen etwa Mütter mit geringem Einkommen, die aber innerhalb eines großen sozialen Netzwerks lebten, besonders schwere und damit lebensfähige Kinder zur Welt. Soziale Isolation erhöhe bei Homo sapiens dagegen das Risiko von Krankheiten, Unfällen und einer Reihe von geistigen Störungen.

Frauenfreundschaften unter Pavianen währen lange und sind ein bedeutender Bestandteil der Paviangesellschaft.

 
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