11. Sep 2003 11:54
Vaterschaftstest überflüssig: Pavian-Weibchen paaren sich meist mit mehreren Männchen. Doch offenbar können Pavian-Väter ihre Jungen dennoch erkennen.
Ein Biologenteam um Jason Buchan von der Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina hat Familienbande in einer Paviangesellschaft der Art Papio cynocephalus nachverfolgt. Im kenianischen Amboseli-Nationalpark sammelten die Forscher Genproben von 194 Tieren und konnten so 75 Pavian-Jungen ihre Väter zuordnen.Ihre Verwandtschafts-Befunde decken sich mit den Beobachtungen der sozialen Bande, berichten die Forscher jetzt im Magazin «Nature». Die Pavian-Männchen haben offenbar ein klares Bild davon, welche Jungtiere von ihnen stammen und für wen es sich daher lohnt, in einer Auseinandersetzung einzustehen. Selbst im Gerangel zwischen den Jungen von zwei Müttern, mit denen sich ein Pavian-Männchen gepaart hat, unterstützte es immer nur dasjenige, mit dem es verwandt ist.
Demnach sind männliche Paviane fürsorglichere Väter als bislang angenommen – auch wenn es ihnen letztlich nur um den Fortbestand der eigenen Erbanlagen geht. Doch durch das Eingreifen bei Auseinandersetzungen ersparten sie ihren Jungtieren Stress und schützten sie vor Verletzungen. Nach Einschätzung der Biologen sind das elterliche Zuwendungen, die nur erfolgen, wenn sich der Vater sicher ist, dass es ich um den eigenen Nachwuchs handelt.Wie die Tiere das Verwandtschafts-Verhältnis aufklären, ist bislang unklar. Die Männchen könnten die Zeit nach der Paarung mit einem Weibchen verfolgen. Anhand des Geburtstermins entscheiden sie dann, ob sie als Vater infrage kommen, vermuten die Biologen. «Wenn sie viel von der paarungsbereiten Zeit des Weibchens bekommen haben, denken sie vielleicht, dass sie der wahrscheinliche Vater sind», sagte eine beteiligte Forscherin dem «Nature»-Online-Dienst. Der Geruch und das Aussehen der Jungtiere könnte ihnen weitere Hinweise liefern.