04. Sep 2003 10:20
Bislang ging man davon aus, dass die amerikanischen Kontinente von Nordost-Asien aus besiedelt wurden. Neue Schädelfunde deuten jedoch auf weitere Einwanderer.
Anthropologen um Rolando González-José von der spanischen Universitat de Barcelona haben 33 Schädelfunde untersucht, die von der mexikanischen Halbinsel Baja California stammen. Wie die Wissenschaftler jetzt im Magazin «Nature» berichten, unterscheiden sich Merkmale dieser Ur-Amerikaner von denen der mongoliden Einwanderer.Die Schädel glichen eher Funden aus dem südost-asiatischen und pazifischen Raum als den Überresten der mongoliden Einwanderer aus Nordost-Asien oder den heute lebenden indianischen Gruppen. Die frühen Bewohner der Baja California hätten demnach nicht zu deren Genpool beigetragen.
Aufgrund von Unterschieden zwischen den ältesten Knochenfunden in Amerika, die von so genannten Paläoamerikanern stammen, und denen der ersten Einwanderer aus Nordost-Asien vermuten Forscher, dass die mongoliden Völker nicht die einzigen Einwanderer waren.
Die Autoren um González-José nehmen an, dass Siedler aus dem südost-asiatischen Raum vor 11.000 bis 12.000 Jahren auf die Baja California gelangten. Durch Klimaveränderung und Wüstenbildung nach dem Ende der letzten Eiszeit seien sie von der Bevölkerung der Einwanderer aus Nordost-Asien abgeschnitten worden. Daher habe keine Vermischung der Erbanlagen stattgefunden.Tom Dillehay von der US-amerikanischen University of Kentucky in Lexington kommentiert diese Ergebnisse in der gleichen Ausgabe von «Nature». Nach seiner Auffassung stützen die Funde von der Baja California zwar die These von einer vielfältigeren Herkunft der ersten Einwanderer. Sie ließen aber keine Aussagen über die Beziehung dieser Bewohner der Halbinsel zu der späteren indianischen Bevölkerung zu. Sie belegten lediglich, dass die Herkunft der ersten Amerikaner wahrscheinlich ebenso komplex und schwer nachvollziehbar sei wie die von Bevölkerungsgruppen in anderen Teilen der Welt. (nz)