01.09.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Pfefferschoten enthalten unter anderem Capsaicin, das den typischen Geschmack ausmacht.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ungewöhnliche Doppelfunktion: Die geschmackliche Empfindung «scharf» und die Brustschmerzen bei einem Herzinfarkt haben offenbar etwas gemeinsam.
Ein Herzinfarkt wird oft von starken Brustschmerzen begleitet, die auch in den linken Arm ausstrahlen können. Die Nervenrezeptoren, die in der Brust diese Empfindung vermitteln, erzeugen auf der Zunge jedoch einen anderen Eindruck.
Pfeffer-Rezeptor«Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass es 'Pfeffer-Rezeptoren' auf dem Herzen gibt und dass sie für die Brustschmerzen bei einem Herzinfarkt verantwortlich sein könnten», sagt Hui-Lin Pan von der US-amerikanischen
Pennsylvania State University. Bislang hatte man angenommen, dass der Rezeptor nur Hitze und Schmerz auf der Haut wahrnimmt. Mit diesem molekularen Ziel könnten jetzt Medikamente gegen chronische Brustschmerzen etwa durch die Herzkrankheit Angina Pectoris entwickelt werden, sagt der Forscher.
Pan hatte mit Kollegen die Verteilung der Rezeptoren für das «Schärfe-Molekül» Capsaicin auf dem Herz von Ratten untersucht. Wie die Mediziner in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Journal of Physiology» berichten, steigt bei einem Herzinfarkt die Aktivität der Nervenrezeptoren an. Dies deute darauf hin, dass sie auch für die Wahrnehmung der Brustschmerzen verantwortlich seien.
Warnzeichen BrustschmerzenEs kommt zu einem Herzinfarkt, wenn ein Blutgefäß, das den Herzmuskel mit Sauerstoff-reichem Blut versorgt, blockiert wird. Das Gewebe setzt daraufhin bestimmte chemische Verbindungen frei, die die Gefäße erweitern, um den Sauerstoff-Mangel auszugleichen. Die gleichen Verbindungen führen wahrscheinlich über das Ankoppeln an die Capsaicin-Rezeptoren zu den Brustschmerzen.
Pans Ergebnisse liefern auch eine mögliche Erklärung für den so genannten «stummen Infarkt», der nicht von Schmerzen begleitet wird. «Wir haben den Pfeffer-Rezeptor nur auf der äußersten Schicht des Herzens gefunden», sagt Pan. Wenn nur weiter innen liegendes Gewebe von einem Infarkt betroffen würde, käme es nicht zu dem Warnzeichen Brustschmerzen. (nz)